BMW 4er Cabrio

Heckansicht/©Fabian Kirchbauer

Frontansicht/©Fabian Kirchbauer

Armatur/©Fabian Kirchbauer

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Kategorie: ShowInSlider
BMW
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Nierchen, gebraten oder sauer, gelten manchen Menschen ja als Delikatesse, während anderen der Appetit schon beim bloßen Gedanken daran vergeht. Und ein ähnlicher Kulturkampf tobt aktuell um das neue Gesicht des BMW 4er Cabrios respektive die gesamte 4er-Baureihe (auch Coupé und Gran Coupé). Wobei von (Doppel-)Nierchen hier wahrlich nicht mehr die Rede sein kann angesichts der beiden XXXL-Pizza großen Nieren, die jetzt senkrecht wie eine altdeutsche Schrankwand im Wind stehen.


Seit den frühen Tagen der Chris Bangle-Ära und des „Rucksacks“, den der damalige BMW-Chefdesigner der 7er Limousine in Form eines, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Hecks aufgebürdet hatte, hat das Design der Marke nicht mehr so polarisiert. „Auto Zeitung“ etwa sprach kürzlich gar von der „Niere des Anstoßes“. Nun sind Journalistenstimmen eine Sache, die der potenziellen Kundschaft aber eine andere. Bloß sah es da zunächst auch nicht gut besonders aus. So bezeichnete das Nachrichtenportal „Ruhr 24“ die zum Teil sehr heftigen Wortmeldungen der Fans auf den BMW-eigenen Social-Media-Kanälen als „verheerende Reaktionen“. „Optisches Versagen“ oder „hässlich“ waren noch die gemäßigteren. So weit, so schlecht, könnte man also meinen.


Aber einmal ganz davon abgesehen, dass Design nun mal auch mit persönlichem Geschmack zu tun hat, gibt es durchaus Hard Facts, die dafür sprechen, dass BMW mit dem neuen Look viel, wenn nicht alles richtig gemacht hat. Einer liegt in der Natur von Kritik. Schließlich ist längst erwiesen, dass derjenige, der mit etwas unzufrieden ist, dies allemal eher und lauter äußert als einer, der mit dem Status quo oder, wie hier, mit einer Veränderung einverstanden ist. Kurzum: Nicht erst in Zeiten von Social Media wird schneller gemeckert als gelobt. Das weiß man natürlich auch bei BMW selbst, wo man Widerspruch durchaus einkalkuliert hat. So sagte Domagoj Dukec, Leiter Design bei BMW, im Februar gegenüber dem britischen KultMagazin „Topgear“: „Ich beobachte auch Social Media, lese die Presse und sehe, dass sich einige Leute fragen, in welche Richtung BMW gehen wird. Ich kann aber jedem versichern, dass wir eine ganz klare Vision davon haben, wohin die Reise geht. Denn wir alle lieben die Marke sehr.“ Er sei mehr als 20 Jahre im Geschäft und wisse, dass in Sachen Design jeder seine ganz eigene Meinung hat. Das sei ganz normal, so Dukec. „Wenn man aber etwas schaffen will, das aus der Masse herausragen soll, dann muss man den Mut haben, Dinge neu zu denken und anders zu machen.“

 

Auftrag hundertprozentig erfüllt! Findet auch „Auto Bild“. „Aus Marketingsicht hat BMW mit dem neuen 4er alles richtig gemacht!“, so das Blatt. Gehe es nach BMW, solle sich die neue Generation des 4ers klarer vom 3er abheben und als eigenständiges Modell wahrgenommen werden. „Durch die große vertikale Doppelniere besteht optisch keinerlei Verwechslungsgefahr mehr mit dem deutlich ziviler designten 3er“, so die Zeitschrift. In der Tat ist der Auftritt des neuen 4er (intern mit G22 für das Coupé und G23 für das Cabrio bezeichnet) alles andere als „zivil“, sondern deutlich mehr Concept-Car-like oder, wie BMW es ausdrückt, „progressiver“ designt als sein Vorgänger (F32/F33) und eben auch als der aktuelle 3er. Wobei: In einem Punkt hat BMW sogar einen – vermeintlichen – Schritt zurück gemacht. Im Gegensatz zum Vorgänger trägt das neue 4er Cabrio Stoff-Käppi statt Alu- bzw. Stahl-Hut, setzt also auf ein Stoffverdeck statt auf ein stählernes Faltdach. Damit ist der 4er nun ein Cabrio alter Schule, kein Zwitter mehr aus Coupé und Cabrio. Ein „Rück-Schritt“ also, den alle Fans der reinen Cabrio-Lehre begrüßen dürften. Zumal das 4er Cabrio, egal ob geöffnet oder geschlossen, deutlich stimmiger wirkt als sein Vorgänger, und die Silhouette jetzt zu den besonders schönen im Cabrio-Segment zählt. Und dass hier, wer schön sein will bzw. ist, nicht dafür leiden muss, macht die Sache richtig rund. Denn das „Flächenspiegelverdeck mit SofttopOptik“ (BMW) macht den G23 durchaus ganzjahresautotauglich – sofern man das denn überhaupt möchte. „auto motor und sport“ jedenfalls bestätigt die Angaben von BMW, der Innengeräuschpegel liege auf Coupé-Niveau: „Tatsächlich ist es unter dem wohlgedämmten und innen schick verkleideten Dach auffällig ruhig, nur gelegentlich hört man ab Landstraßentempo mal Wind ein leises Pfeifen oben am Fenster – mehr aber nicht.“

 

Dass das Auto trotz Stoffverdeck obendrein sogar eine höhere Torsionssteifigkeit im Vergleich zum Vorgänger aufweist, zeigt, wie sehr man bei BMW darauf bedacht war, dass Stoff nicht Verzicht, sondern sogar Gewinn bedeutet. Was sich schließlich auch noch beim Kofferraumvolumen zeigt. Bei geschlossenem Verdeck sind es immerhin 385 Liter, mit offenem Verdeck auch noch 300 Liter und damit 80 mehr als beim Vorgänger. „Da bekommt man das Wochenendgepäck schon irgendwie reingequetscht“, wie „auto motor und sport“ wohl durchaus zu Recht glaubt. Eine ebenso eindrucksvolle Performance wie das Verdeck liefert auch der Reihensechszylinder im bisherigen Topmodell der 4er-Reihe, dem M440i xDrive, ab. Der druckvolle Antritt, dank Turboaufladung schon bei niedrigen Drehzahlen, zeige, was heutzutage „State of the Art“ in Sachen Leistungsentfaltung sein könne, schwärmt „Autozeitung“. Und für „auto motor und sport“ ist das 3-LiterTriebwerk schlichtweg der „größte Komfortspender“. Der „überragende Reihensechszylinder“ mit 374 PS und 500 Nm habe nicht nur massig Kraft, sondern ziehe vor allem selbst aus dem Drehzahlkeller enorm reaktionsstark durch. Und „die schnelle und geschmeidige Achtgangautomatik passt super dazu“, so Deutschlands zweitgrößte Automobil-Kaufzeitschrift, die allenfalls bedauert, dass es keine Alternative zur Automatik gibt. Denn: „Ein manuelles Getriebe steht selbst für das Basismodell nicht im Konfigurator.“

 

Aber ob Basismodell oder als allradgetriebener M440i xDrive – genau genommen mag zum Cabrio eine Handschaltung auch gar nicht recht passen. Wenn das Cabrio auch so ziemlich alles kann, was mit dem Coupé möglich ist, so denkt man doch eher ans Seele-baumeln-Lassen beim Gleiten durch Bilderbuch-Landschaften denn an Trackdays. Und apropos „Gleiten“: Die wohl größte Leistung der Ingenieure war es, dem M440i xDrive Cabrio derart feine Manieren anzuerziehen, dass das Auto trotz seiner M-typischen Sportlichkeit – in 4,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht – beim Cruisen in den Sonnenuntergang zum komfortablen Gran Turismo wird. Und spätestens nach solch einem Trip hat man dann auch die neuen „Nierchen“ lieb gewonnen.

 

Text von Andreas Kötter

 

Käfer - Die Zeitung 3/2021

 

 

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