Liapure Design Studio

Liapure-Designerin Leonie Isabel Appels

Liapure Design Studio
Atelier & Showroom
Frauenstraße 18
80469 München
Tel. 0173/4961016
Mo.–Sa. mit Termin
 
www.liapure.de

 

Modedesignerin Leonie Isabel Appels ist eine Frau der leisen Töne. Und dennoch weiß die 28-Jährige genau, was sie will. Das spürt man auch sofort bei ihren Kreationen. Luxuriöse, zeitlose Essentials bestimmen die Kollektion, ergänzt von limitierten detailreichen Atelierstücken – alle mit klarem Konzept und viel Herzblut designt und in Deutschland handgefertigt. Ein Besuch bei Liapure Design Studio.

 

Gerade erst ist sie mit ihrem Atelier umgezogen. Ein Glücksgriff, in einem kleinen begrünten Innenhof nahe dem Münchner Viktualienmarkt. Ruhig und friedlich ist es hier, der Lärm der Straße bleibt draußen vor dem Hofeingang. Das Atelier und Ladengeschäft ein weitläufiger, einladender Raum, reduziert eingerichtet mit übergroßem schwarzem Schreib- und Präsentationstisch, den Kollektionsteilen aufgereiht an goldglänzenden, von der Decke hängenden Kleiderstangen sowie Schnitt- und Stoffmustern auf einem Memoboard an der Wand. Eyecatcher ist jedoch die runde, von einem eleganten cremefarbenen Vorhang umsäumte Umkleidekabine, die mitten im Raum schwebt. „Ich selbst mag es gar nicht, Kleidung eingequetscht irgendwo in einer Ecke in einer engen Kabine anzuprobieren“, erzählt Designern Leonie Isabel Appels. „Deshalb wollte ich für meine Kundinnen eine angenehme und außergewöhnliche Atmosphäre schaffen.“

 

Erst Anfang dieses Jahres hat die 28-jährige Münchnerin ihr Label Liapure Design Studio gegründet. Wobei sich der Name Liapure aus ihrem Spitznamen „Lia“ und dem Wort „pure“ zusammensetzt und „pure“ die perfekte Umschreibung für das ist, was ihr bei ihren Designs wichtig ist: nämlich Purismus, Minimalismus, Echt- und Unverfälschtheit. Genau dafür steht ihre „Essentials“-Linie, eine kleine Kollektion hochwertiger und saisonunabhängiger Basic-Teile für Damen (ganz neu sind auch zwei Shirts für Herren), die aus figurschmeichelnden Tops, schlichten Langarmshirts mit Rollkragen, schmalen Röcken in Ripp-Optik und luftigen Marlene-Hosen besteht. Alle mit dem Fokus auf die perfekte Passform gefertigt. Nur 17 Teile umfasst die Kollektion derzeit, jeweils in den drei Farben Schwarz, Beige und Cremeweiß. „Ich möchte mich mit den Essentials auf das Wesentliche konzentrieren. Deshalb fokussiere ich mich auf ruhige Farbtöne, die mit allem kombinierbar sind“, erklärt die Designerin. „Man kann sie sowohl als monochrome oder Mix-and Match-Looks tragen.“ Gerne berät sie dazu ausführlich in ihrem Atelier und stellt passende Kombinationen auf Wunsch auch schon im Vorfeld zusammen. „Liapure ist mehr als ein normales Geschäft, ich möchte mich jeder Kundin voll und ganz widmen“, ergänzt sie.

 

Die Stoffe für ihre Kreationen – hochwertige Tencel-, Modal- und Seidenstoffe sowie, ganz neu, eine leichte Cashwool – kommen fast alle aus Italien und werden von ihr eigenhändig ausgesucht. Ebenso wie die Nähereien, kleine Betriebe in Deutschland, die sie regelmäßig besucht und mit ihnen die Aufträge und die Fertigung bespricht. Auch für ihre exklusive limitierte Atelier-Kollektion, die sie zusätzlich zu den Basics designt. Hier lässt Leonie Appels ihrer Fantasie und ihrer Lust am Gestalten freien Lauf. „Ich liebe es, an meiner Schneiderpuppe zu stehen, verschiedene Silhouetten zu modellieren, abzustecken und an Details zu feilen“, erzählt sie. Feine Stoffe, etwa ein Chanel-Tweed, aus dem sie Shorts fertigen lässt, die aufwendigen Stickereien und eigens gezeichneten Blüten, die ihre Atelierstücke als Kragen oder Manschetten zieren, und eine mögliche Fertigung auf Maß machen die Kollektion darüber hinaus zu etwas ganz Besonderem und zum Kontrast zu den cleanen Essentials.

 

Leonie Appels ist Perfektionistin, in dem, was sie tut, das merkt man im Gespräch und auch beim Betrachten und Fühlen ihrer Kollektionen sehr schnell. Ihr sympathisches leises Wesen und ihre zierliche Statur mögen vielleicht manchmal dazu führen, dass man sie anfangs unterschätzt. Doch sie weiß genau, was sie will – so etwa nach ihrem Abitur das Studium an der Modeschule ESMOD in Berlin. Mit dem Diplom in der Tasche arbeitete sie anschließend in verschiedenen Unternehmen von Lodenfrey bis mytheresa.com, bevor es die damals 25-Jährige als Designassistentin zum Herrenlabel Stone Island nach Mailand zog. Als man ihr dort einen Job als Designerin der Kinderkollektion anbot, fiel die Absage schwer. Doch sie hatte sich bereits zum Masterstudiengang an der renommierten Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi eingeschrieben. „Im Nachhinein die richtige Entscheidung“, weiß sie. „So konnte ich meinen Spaß am Design mit dem nötigen betriebswirtschaftlichen Know-how unterfüttern.“ Und das kam ihr natürlich bei der Gründung von Liapure zugute.

 

Doch ein Label in diesem herausfordernden Jahr auf einem derart schwierigen Markt wie dem der Mode zu etablieren, dazu gehören neben Kreativität und BWL-Wissen auch eine große Portion Mut, Optimismus und Willenskraft. „Natürlich hatte ich schlaflose Nächte“, gibt sie zu. „Aber ich wusste immer, dass meine Mode einen Markt hat.“ Und zwar keinen auf günstige Wegwerfprodukte ausgelegten Massenmarkt, sondern einen, der eine Kundschaft anspricht, die Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit legt. „Einfache Basics ohne Hintergedanken gibt es wie Sand am Meer“, sagt Leonie Appels. „Aber was bringt es mir, wenn ich mein T-Shirt nach zweimaligem Waschen aussortieren muss, weil die Farben ausgeblichen sind oder der Stoff sich verzogen hat?“ Die Langlebigkeit ihrer Mode und auch die faire Produktion sind für sie neben dem Design und der Passform die zentralen Aspekte. „Für junge Modemacher wie mich sollte es in der heutigen Zeit eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, so zu arbeiten.“


Text von Jeanette Bojer

 

 

Käfer Die Zeitung - Ausgabe 6/2020

 

 

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