Guanábana

Die Wayúu-Frauen bei der Arbeit

Feinste Handarbeit aus La Guajira

Gründerin Almudena Espinosa

Tasche "Bolso Vesubio"/©Alejandro

Tasche "Kea"/©Alejandro

Crossbodybag/©Alejandro

Clutch "Santa Clara"/©Alejandro

Sonnenhut/©Alejandro

Plateausandalen/©Alejandro

Espadrille/©Alejandro

Guanábana
 
www.guanabana.es

 

Wie aus einem Reisemitbringsel aus Kolumbien eine der weltweit beliebtesten Taschen wurde und ein Label, dessen Name man sich merken sollte.

 

Das Leben kann so schön sein. Entspannt unter freiem Himmel liegen und sich in der strahlenden Sonne bräunen, während eine sanfte Meeresbrise über das Gesicht streift. Dazu eine frische Kokosnuss trinken und sich exotische Früchte schmecken lassen. Und dann noch den Blick über den schneeweißen Sandstrand und das glitzernde Wasser schweifen lassen und das Nichtstun genießen. Urlaubserinnerungen sind doch einfach wunderbar. Und umso wertvoller sind die Andenken, die man mit nach Hause nimmt, um in diesen Erinnerungen zu schwelgen, wie etwa ein besonderes Parfüm, landestypisches Geschirr oder feiner Schmuck. Solche kleinen Glücksmomente rufen auch die bunten Modeaccessoires des spanischen Labels Guanábana hervor. Seiner Gründerin Almudena Espinosa hat es besonders das südamerikanische Kunsthandwerk angetan, hat sie doch als Kind viele Sommer in der kolumbianischen Heimat ihrer Vorfahren verbracht. Dabei begegneten ihr in den Boutiquen und auf den Straßenmärkten immer wieder Schmuckstücke, die in augenscheinlich aufwendigster Handarbeit und Technik gefertigt wurden. Begeistert davon, welch einzigartige und besondere Geschichte selbst hinter dem kleinsten Produkt stecken kann, reifte in ihr im Laufe der Jahre die Idee einer eigenen Firma. Im Jahr 2005 gründete sie Guanábana und brachte ihre erste Ketten-Kollektion auf den Markt.

 

Den Labelnamen, zu Deutsch Stachelannone (eine saure karibische Frucht), wählte sie als Reminiszenz an Südamerika und in der Hoffnung, dass er aufgrund seiner Ungewöhnlichkeit in Erinnerung bliebe. Das Konzept ging auf, die Ketten kamen gut an und so nutzte die heute 49-Jährige ihre Reisen durch Lateinamerika, um Ideen und Inspirationen für weitere Produkte zu sammeln. Dabei stieß sie auf die Mochila, in die sie sich auf Anhieb verliebte. Die Mochila ist die traditionelle gehäkelte Umhängetasche des Wayúu-Stammes, der in La Guajira im Nordosten Kolumbiens beheimatet ist. Charakteristisch sind ihr einzelner langer Tragegurt und die kunterbunten, oft neonleuchtenden Farben. In der Kultur der Wayúu häkeln die Frauen diese Taschen, um sich in Tugenden wie Perfektionismus und Geduld zu üben. Bei uns haben sie sich mittlerweile zu It-Bags gemausert, die Stars wie Shakira, Alessandra Ambrosio und Sienna Miller durch die Straßen dieser Welt tragen. Zu Anfangszeiten von Guanábana waren sie außerhalb von Südamerika allerdings noch kaum bekannt. Umso mehr war die gebürtige Spanierin davon überzeugt, dieses kulturelle Gut in die Welt hinauszutragen.

 

Mit der Herstellung loszulegen, war allerdings gar nicht so leicht, gab es doch vorher einige Fragen zu klären. Etwa: Wo soll produziert werden? Passt man das Design an den europäischen Markt an? Wie tauscht man sich regelmäßig untereinander aus? Vor allem letztere Frage gestaltet sich aufgrund der fehlenden Infrastruktur in der sehr armen Region La Guajira bis heute oft schwierig. Gefertigt werden nämlich alle Taschen von den Wayúu-Frauen dort vor Ort, während Formen, Farben und Muster am Hauptsitz der Firma in Madrid ausgetüftelt werden. Die Entwürfe gehen somit von Madrid nach La Guajira, wo sie je nach Modell von Hand gewebt, gehäkelt oder crochet-geknüpft werden. Den finalen Touch bekommt jedes Stück dann wieder in Madrid, ehe es hinaus in die Welt verkauft wird. Ein äußerst aufwendiger Prozess – und so betrachtet Almudena Espinosa jede Tasche als ein Wunder. Nicht zu vergessen die hohe Handwerkskunst, die dahintersteckt: Die insgesamt 900 Frauen arbeiten in Kolumbien mit extrem feinen Nadeln von 0.07 mm Dicke (die bei uns gängige Häkelnadel ist 2,5 bis 3,5 mm dick) und für ein sehr engmaschiges und präzises Muster mit nur einem Acrylfaden pro Tasche. So braucht selbst eine geübte Handwerkerin 20 Tage, um eine größere Tasche fertigzustellen. Die erste Taschen-Kollektion erschien 2009 mit traditionellen Wayúu- Mustern (kleinteilig, dynamisch, auffällig), dafür in gedeckteren Farben und ist bis heute so beliebt, dass sie immer wieder angefragt wird. Mittlerweile sind die Muster grafischer und ruhiger geworden, die Modellvielfalt dafür umso größer. Von der halbmondförmigen Abendtasche über die Bucket Bag bis hin zum Traveller für Männer – den Varianten sind kaum Grenzen gesetzt. Dabei ist jedes Modell ein handgefertigtes Unikat, kein Muster gleicht dem anderen.

 

Nach und nach kamen zu den Taschen auch Accessoires wie Schuhe, Gürtel, Armbänder und Hüte hinzu und so wuchs die Firma langsam, immer mit dem Anspruch, traditionelle, hochwertige Handarbeit zu fertigen. Bestseller ist übrigens – seit Uma Thurman damit gesichtet wurde – die Tasche St. Barth, die ihren festen Platz im Sortiment hat. Ansonsten launcht das Label zweimal im Jahr neue Modelle für Damen und Herren, die weltweit in Onlineshops und etwa 600 Boutiquen (z. B. bei Birgit Engel Fashion in Grünwald) verkauft werden. Inspiration für neue Designs findet Almudena Espinosa, die in ihrer Tasche immer zusätzlich eine der Guanábana-Clutches für ihren Geldbeutel und ihren Reisepass dabei hat, auf Reisen, in Museen oder in der Natur. Auch die neuesten Modetrends fließen in die Gestaltung mit ein. Im Vordergrund steht jedoch immer der Anspruch, zeitlose Accessoires zu kreieren, die sich unabhängig von Saisonen und Trends tragen lassen und ihrer Trägerin oder ihrem Träger ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

 

Von Theresa Wiediger

 

Käfer Die Zeitung - Ausgabe 3/2020

 

 

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