Makoto Azuma

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Makoto Azuma

Kategorie: ShowInSlider

 

Mit seinen hinreißenden floralen Installationen gibt der Künstler Makoto Azuma Blumen und Pflanzen eine Stimme, die in unserer westlichen Welt zuvor kaum gehört wurde. Der 41-jährige Japaner, der eigentlich Rockmusiker werden wollte, setzt Blumen etwa für Modeschauen von Designern wie Dries Van Noten in einen neuen, ungewohnten Kontext und zeigt so die Schönheit auf, die gerade auch im Prozess des Vergehens liegt. Im Interview mit uns spricht Azuma über die Gemeinsamkeiten von Pflanzen und Musik, über seine „botanischen Skulpturen“ und über göttliche Schönheit in allen natürlichen Dingen.

 

Käfer Zeitung: Herr Azuma, was macht Pflanzen im Allgemeinen und Blumen im Besonderen zu einer so großen Inspiration für Sie?

Meine Leidenschaft liegt in den Pflanzen selbst. Auf diesem Planeten existieren unzählige Arten von Pflanzen und sie alle haben ihren ganz eigenen Ausdruck, ja Charakter. Mehr noch, sie durchlaufen alle verschiedene Lebensphasen. Da sind zunächst Keim und Knospe, gefolgt von dem Erscheinen des Stängels und dem Aufblühen, bis die Pflanzen schließlich wieder vergehen. Jede dieser Phasen unterscheidet sich von der nächsten, aber alle sind schön und wertvoll. Meine Aufgabe sehe ich darin, das Potenzial jeder Pflanze, ihre große Schönheit, offenzulegen und sie so noch attraktiver zu machen. Und so lange ich immer wieder aufs Neue mit Pflanzen kommunizieren kann, wird auch meine Leidenschaft leben.

 

Wann haben Sie diese besondere Verbindung zum ersten Mal gespürt?

Vor mehr als 20 Jahren habe ich in einer Band gespielt und wollte Rockmusiker werden. Gleichzeitig war ich als Teilzeitkraft in einem Blumengeschäft tätig, um etwas Geld zu verdienen. Damals habe ich die Schönheit von Pflanzen überhaupt erstmals verstanden und auch die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und der Musik erkannt. Beide, Musik und Pflanzen, existieren in gewisser Weise nur für den Augenblick. So wie eine rote Rose im Laufe ihres Zyklus viele verschiedene Wirkungen auf den Betrachter hat, so unterscheidet sich auch die Musik je nach der Gemütslage des Musikers und der Umgebung, in der sie geschaffen wurde. Musik und Pflanzen – beide brauchen jemanden, der all diese Faktoren wahrnimmt und aufzeigt. Und darin liegt meine Aufgabe.

 

In Europa versteht man das, was Sie tun, als Ikebana. Wird Ihnen das gerecht?

Ich denke, dass jedes Kunstwerk für sich selbst spricht. Deshalb macht es für mich weder Sinn noch interessiert es mich, wie die Leute das bezeichnen, was ich tue.

 

Also ist das, was Sie machen, Kunst, nicht Business?

Ich würde sagen, dass es beides gleichzeitig ist.

 

Im Gegensatz zur Malerei oder Bildhauerei liegt es in der Natur Ihrer Werke, dass sie vergehen ...

Ich selbst bezeichne meine Arbeiten als botanische, als lebende Skulpturen.

 

Würden Sie diesen Prozess des Vergehens verlangsamen oder gar aufheben, wenn Sie könnten?

Der Lebenszyklus einer Blume ist so kurz, dass man fast von einer Momentaufnahme sprechen kann. Deshalb ist mir für meine Arbeit dieser ganz besondere Moment beinahe wertvoller und er wiegt für mich schwerer als der Zyklus eines Menschen. Zwar liegt mein Fokus nicht ausschließlich auf dem Prozess des Vergehens oder Verblühens, aber dieser Prozess ist dennoch elementarer Bestandteil meiner Arbeit. Ohne ihn wäre sie nicht vollkommen.

 

Was genau verbirgt sich hinter Ihrem Konzept, Pflanzen oder Blumen aus ihrer natürlichen Umgebung in einen völlig artfremden Kontext zu verpflanzen“?

Ich würde zwar nicht von einem Konzept oder einer bestimmten wiederkehrenden Signatur sprechen. Aber es stimmt, dass ich häufig die Schönheit der Form von Pflanzen mit der von künstlichen Gegenständen kombiniere, um die originäre Schönheit der Pflanzen so noch deutlicher hervorzuheben. Und indem ich so die Gegenwartskultur einbeziehe, gebe ich dem Leben, für das die Pflanze steht, ein neues Gesicht.

 

Wenn Sie aber Pflanzen aus ihrer natürlichen Umgebung entfernen, bedeutet das gleichzeitig, dass Sie den ohnehin knappen Lebenszyklus noch einmal verkürzen. Wie geht das zusammen mit Ihrer Liebe für diese „Geschöpfe“ der Natur?

Noch jedes einzelne Mal, wenn ich mit Pflanzen und Blumen arbeite, ist mir völlig bewusst, dass ich es mit wunderschönen, wertvollen, ja, heiligen und vor allem lebendigen Wesen zu tun habe und so gleichsam von Angesicht zu Angesicht mit dem Leben selbst konfrontiert werde. Und es ist für mich das Wichtigste überhaupt, dass ich diese Lebenswesen stets mit Respekt behandle und mir der Bedeutung ihres Lebens bewusst bin, wenn ich sie in ein Kunstwerk transformiere.

 

Stichwort „Bedeutung des Lebens“: In Japan sind Blumen nicht nur Symbole der Schönheit, sondern stehen auch für das Göttliche. Wie schwer fällt es Ihnen, diese göttliche Schönheit zusammenzubringen mit eher profanen Aspekten des Lebens, wie Sie es etwa bei Modeschauen populärer Designer tun?

Es ist Teil der japanischen Kultur, das Göttliche in allen natürlichen Dingen zu sehen, ob nun in Steinen, in Bäumen oder in was auch immer. Den vermeintlichen Widerspruch, den Sie ansprechen, sehe ich kaum, beziehungsweise belastet er mich nicht. Vielmehr ist es mir wichtig, dass die Menschen überall auf der Welt gerade in unserem digitalen Zeitalter wieder lernen, die Schönheit aller lebenden Dinge und des Lebens per se zu erkennen.

 

Könnten Sie sich vorstellen, auch mit anderen natürlichen Materialien so zu arbeiten, wie Sie es mit Blumen und Pflanzen tun?

Nein. Ich werde mit den Blumen zusammen sein, bis ich sterbe. Meine Aufgabe ist auch längst noch nicht erfüllt. Im Gegenteil, ich spüre jeden Tag die Herausforderung, weiter voranzugehen und immer wieder Neues zu entdecken. Denn Blumen lehren mich unaufhörlich, dass jeder Erfolg und jede Form von Schönheit mit einem Wimpernschlag vergehen können.

 

Von Andreas Kötter

 

Käfer Die Zeitung - Ausgabe 1/2020

 

 

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