Luxus in Hybrid

Bentley Bentayga Hybrid in Silber

Felgen im Detail/©Richard Pardon

Bentley Bentayga Hybrid in Blau/©Richard Pardon

Innenausstattung/©Ricard Pardon

Innenausstattung/©Richard Pardon

Hybrid-Emblem/©Richard Pardon

Kategorie: ShowInSlider
Bentley München
AM Automobile GmbH
Moosacher Straße 40
80809 München
Tel. 089/28701220
 
www.muenchen.bentleymotors.com

 

Lange Zeit spielte Bentley die zweite Geige hinter Rolls-Royce. Seitdem aber der Volkswagen-Konzern am Steuer der Luxusmarke sitzt, hat sich vieles geändert. Wir lassen Bentleys wechselvolle Geschichte Revue passieren und stellen mit dem Bentayga Hybrid das erste elektrifizierte Modell vor.


„Ford, die tun was“, lautete in den 1990er-Jahren das Motto des Kölner Autobauers. In Anlehnung an diesen klug gewählten Markenclaim könnte es für die Luxusschmiede im englischen Crewe, etwa 45 km südwestlich von Manchester gelegen, heute lauten: „Bentley, die haben was getan.“ Denn die traditionsreiche Marke, die offizieller Hoflieferant des britischen Königshauses ist, hat seit der Übernahme durch Volkswagen im Jahr 1998 die eigene große Tradition fit gemacht fürs 21. Jahrhundert. Der Weg dorthin aber war lang und manchmal auch ziemlich steinig. Und dass Bentley einmal den hundertsten Geburtstag (10. Juli 2019) würde feiern können, war angesichts vieler Brüche in der Geschichte der Marke längst nicht immer abzusehen. Wo Bentley, der Luxussportwagen für Selbstfahrer, im Laufe dieser hundert Jahre ist, da ist Rolls-Royce, das Chauffeurauto und noch einmal 15 Jahre älter, meist nicht weit. Wobei – eigentlich ist es genau umgekehrt. Denn „Emilys“ Nase („Emily“ heißt die ikonische Kühlerfi gur von RR) liegt meist vorne im Wind. So steht der Name Bentley ab 1931 – das Unternehmen ist pleite, RR übernimmt – viele Jahre lang lediglich noch für geringfügig modifizierte Rolls-Royce-Modelle.


Während RR sich damit brüstet, die besten Autos der Welt zu bauen, scheinen Bentleys frühe Erfolge im Rennsport (u. a. zwischen 1927 und 1930 eine Siegesserie beim 24-Stunden-Langstreckenrennen von Le Mans) fast vergessen. Viele Jahrzehnte ändert sich daran nichts. So lernt jeder, dem in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren die Liebe zum Automobil nicht zuletzt mit den populären Autoquartett-Kartenspielen in die Wiege gelegt wird, dass ein Rolls-Royce einen Bentley immer schlägt. Zumindest bis 1998. Dann übernimmt Volkswagen Rolls-Royce und damit auch Bentley. Tatsächlich aber bekommen die Wolfsburger „nur“ das Werk in Crewe, die Rechte am Rolls-Royce-Kühler sowie an „Emily“. Die Namens- und Markenrechte für Rolls-Royce aber hat sich längst der BMW-Konzern gesichert, der RR schon länger mit Motoren versorgt. So kommen die beiden deutschen Unternehmen 2003 schließlich überein, die Marken Rolls-Royce und Bentley endgültig wieder zu trennen. RR gehört seitdem zum BMW-Portfolio, Bentley zu dem von Volkswagen. Es mag wie eine Laune der Geschichte anmuten, dass es ausgerechnet die Wolfsburger und nicht die für ihre Sport-Ambitionen bekannten Münchner sind, die Bentley mit Modellen wie dem New Continental GT sowie den Speed-Versionen von Bentayga oder Mulsanne die Identität als Luxusmarke für sportlich orientierte Fahrer zurückgegeben haben.


Besonders der 2016 präsentierte, auf der VW-MLBevo-Plattform (u. a. Audi Q7, VW Touareg, Lamborghini Urus und Porsche Cayenne) basierende Bentayga, der nach Continental, Flying Spur und Mulsanne die vierte Bentley-Baureihe stellt, ist für Bentley ein bedeutender Schritt. Und das nicht nur, weil es sich um das erste SUV der Marke handelt. Vielmehr haben die Briten neben dem vor Kraft nur so strotzenden W12-Benzinmotor und der nun auch nicht gerade schwächlichen V8-Variante sowie einem, in Europa leider bereits wieder aus dem Programm genommenen V8-Diesel (435 PS, 270 km/h Spitze, acht Liter Normverbrauch und im Konzernbruder Audi SQ8 TDI das Triebwerk der Wahl; von der wohl zu distinguierten europäischen Kundschaft aber kaum nachgefragt) mit dem Bentayga Hybrid nun erstmals auch ein (teil-)elektrifiziertes Modell im Programm. Dabei handelt es sich um einen Plug-in-Hybrid, der einen 3,0-Liter-V6-Benzin- mit einem Elektromotor kombiniert. Die Gesamtleistung von 449 PS und 700 Nm lässt schon auf dem Papier ahnen, dass niemand Angst vor einem etwaigen Verzicht haben muss. So beschleunigt die mehr als zweieinhalb Tonnen schwere Wuchtbrumme in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 und erreicht eine Spitze von 254 km/h. Damit ist der Hybrid zwar weit entfernt vom Leistungsvermögen des großen Bruders, des Bentayga Speed.


Der aber spielt mit einer Beschleunigung in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und einem Topspeed von 306 km/h in einer ganz anderen Liga. So genießt der Bentayga Speed nicht nur den Ruf als schnellstes SUV der Welt, sondern holte sich beim Pikes Peak International Hill Climb, dem legendären Bergstreckenrennen im US-Bundesstaat Colorado, auch den Rekord für Serien-SUV. Der Bentayga Hybrid aber hat andere Ambitionen und ist genau genommen ein Sparmobil. Angesichts eines Kaufpreises von rund 165.000 Euro mag das zunächst absurd anmuten. Tatsächlich aber ist die Hybrid-Version der Einstieg in die Bentayga-Welt. Schade nur, dass statt der genannten knapp 40 Kilometer eher 25 realistisch sind, wenn der Bentayga Hybrid rein elektrisch unterwegs ist. Doch auch bei anderen Hybriden fallen die Reichweitenangaben bisweilen ziemlich optimistisch aus. Sonst aber wird der Bentayga Hybrid allen Erwartungen gerecht, die man an ein SUV der absoluten Luxusklasse haben kann. Wie sagte der damalige Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer bei der Präsentation 2016: „Fair off-road, best on-road“ – was so viel heißen soll(te), wie „Gut im Gelände, der Beste auf der Straße“. Und diesem Anspruch kommt das Auto sehr nahe. Dass ein rund zweieinhalb Tonnen schwerer SUV durch den Urwald oder die Sahara pflügt wie ein Willys Jeep oder ein Land Rover wird niemand erwarten.


Dass der Bentayga nicht wie manch anderer Mode-SUV bereits am ersten Feldweg kapituliert, dagegen schon. Und wie kein anderes Luxus-SUV vermittelt der Bentayga seinem Fahrer und den Passagieren auf jedem Untergrund ein Gefühl von „Schöner Reisen“ in Verbindung mit einer buchstäblich erfahrbaren Sportlichkeit. Der Konzern-Bruder aus Italien, der Lamborghini Urus, mag zwar noch deutlich sportlicher sein, verlangt dafür aber Nehmerqualitäten von seinen Insassen, die ihnen der Bentayga nie zumuten würde. Der Rolls-Royce Cullinan wiederum toppt den Bentayga beim Preis deutlich und bietet mehr Platz und noch mehr Luxus. Mit Sportlichkeit aber hat der RR rein gar nichts am Hut. Bliebe noch der Range Rover. Der wiederum mag im Gelände knapp vorne liegen, landet aber in allen anderen Kategorien weit hinter dem Bentley – und ist nun einmal „nur“ ein Range Rover. Kurzum: Die Bentley-Bentayga-Baureihe steht per se für das Allround-Talent unter den Luxus-SUVs. Welche Version man wählt, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Wer es eilig hat und fasziniert ist von überbordender Motorleistung, der wird wohl die „Speed“-Variante und damit das schnellste SUV der Welt wählen. Am anderen Ende der Leistungsskala wartet dagegen mit dem Bentayga Hybrid das erste Luxus-SUV mit der Möglichkeit, manche Wege auch rein elektrisch zu bewältigen. Dass der Hybrid zudem der günstigste Bentayga ist, aber alles andere als Verzicht bedeutet, macht das Angebot besonders verlockend.


Von Andreas Kötter

 

Käfer - Die Zeitung 5/2019

 

 

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