Leonhardifahrt - Alpenregion Tegernsee Schliersee

13.06.2010 13:00 Alter: 9 yrs

 

Bei uns in Bayern wird der Franzose ja eher selten verehrt, wenn er nicht gerade Franck Ribéry heißt oder mit spitzer Feder gezeichnet wurde. Der Heilige Leonhard wurde tatsächlich in der Provinz Gallien geboren, in der Nähe von Limousin im heutigen Zentralfrankreich. Um 500 nach Christus war das, am Hofe des Frankenkönigs Chlodwig, der auch sein Taufpate war und in dessen Wachmannschaft sein Vater diente.


Chlodwig war Leonhard sehr zugetan, nicht erst seit dieser –damals schon aus freiem Willen sehr karg und zurückgezogen in einem Wald bei Limoges lebend – dessen Frau und Kind bei der Geburt rettete, als die Königin in jenem Wald Wehen bekam. So konnte Chlodwig Leonhard keinen Wunsch abschlagen und dieser nutzte das, um viele Gefangene am Hofe zu befreien.


Der eigentliche Leonhardskult begann im 11. Jahrhundert und verbreitete sich von Frankreich aus mithilfe der Kreuzzüge rasch nach Süden und Osten. Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt: Man nannte ihn den „bayerischen Herrgott“ oder „Bauernherrgott“ und er wurde zu einem der 14 Nothelfer. Über 150 Wallfahrten fanden unter seinem Namen statt, mehr als 50 davon gibt es heute noch, die größte davon in Bad Tölz. Ursprünglich galt Leonhard als Schutzpatron derer, „die in Ketten liegen“, also der Gefangenen, aber auch der Geisteskranken, die man noch bis ins 18. Jahrhundert hinein ankettete. Nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Bauern und vor allem des bäuerlichen Viehs, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Viele der Leonhard geweihten Kirchen sind deshalb mit Ketten umspannt.


Heute stehen bei den Leonhardiritten oder Leonhardifahrten vor allem die Pferde im Mittelpunkt, die älteste bäuerliche Kraftquelle. Und wenn dann Mensch und Tier stolz geschmückt sind und auch noch das Wetter passt, dann wird daraus ein prächtiges Fest, das Glaube und Lebensfreude aufs Wunderbarste verbindet.

 

 

Die älteste: Kreuth


Die ältesten Belege einer altbayerischen Leonhardifahrt findet man in Kreuth am Tegernsee. Auch wenn ein Tegernseer Benediktiner einst grantelte, „Eine Sünde des Aberglaubens ist es, wenn man meine, ein Umritt nütze den Pferden“, hat sie sich seit 1442 gehalten, über 570 Jahre lang – und man könnte meinen, sie wird jedes Jahr noch ein bisserl prächtiger.


Rund um den Leonharditag selbst, dem 6. November, ziehen die prächtig geschmückten Pferdegespanne mit den verzierten Truhenwägen nach dem Gottesdienst in der Leonhardikirche dreimal zur Segnung durch das Dorf. Am Abend trifft man sich dann wieder, um diesen besonderen Tag mit dem Leonharditanz ausklingen zu lassen.


Ein Fest: Schliersee


Seit dem 17. Jahrhundert findet in Schliersee eine traditionelle Leonhardifahrt statt, einer der Höhepunkte des alljährlichen Festkalenders. Immer am ersten Sonntag nach Allerheiligen bewegt sich der Festzug von der Ortsmitte von Schliersee direkt am See entlang bis nach Fischhausen am Südufer des Sees. Die festlich geschmückten Wägen werden oft von stolzen Vierergespannen gezogen. Beim dreimaligen Umritt um die Fischhausener Leonhardikirche werden Pferde und Wallfahrer gesegnet. Erst danach feiern Besucher und Wallfahrer gemeinsam den Gottesdienst im Freien. Gleich nebenan ist auch das Markus Wasmeier Freilichtmuseum an diesem Tag zum letzten Mal vor der Winterpause geöffnet, und das bei freiem Eintritt.


Kleinode


Neben den Ritten und Fahrten in Kreuth und Schliersee und Leonhardi Großveranstaltungen wie im benachbarten Bad Tölz gibt es in der Region auch einige kleinere Wallfahrten.


Den Auftakt der jährlichen Leonhardifahrten im Oberland macht Reichersdorf in der Gemeinde Irschenberg. Die Pferdesegnung ist das größte Ereignis des Dorfes: Ungefähr 30 Gespanne und 50 Reiter werden hier alljährlich erwartet.


Die bekannte Wallfahrtskirche Allerheiligen bei Warngau ist das Ziel der Warngauer Leonhardiwallfahrt am vierten Sonntag im Oktober. Bauern, Pferde- und Viehbesitzer, Reiter, Kutscher und Honoratioren versammeln sich auch hier zu einem langen Festzug rund um die Kirche und zum gemeinsamen Gottesdienst unter freiem Himmel. Auch in Hundham (Fischbachau) und Festenbach (Gmund) wird der Heilige Leonhard geehrt, mit Festzug, Ritt und Gottesdienst. Wie vielerorts in Bayern finden sich hier Leonhardikapellen. Und mag es auch eine Nummer kleiner sein: Wenn der Heilige Leonhard für einen goldenen Herbsttag sorgt, Ross und Reiter stolz in der milden Sonne strahlen, dann könnte das altbayerische Herz kaum glücklicher sein.

 

 

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