Kraftsport im Sitzen

13.06.2010 13:00 Alter: 10 yrs

Gemeinhin wird Fingerhakeln ja gern belächelt: als Gaudi, als Blödsinn oder ganz trocken als Schmarrn. Ersteres meist von Fans, Zweiteres von Preußn und Letzteres von alten Männern oder Frauen. Doch, ist so! Tatsächlich aber ist Fingerhakeln ein Kraftsport im Sitzen, den außerhalb Bayerns kein Mensch betreibt, außer in Österreich.


Das treibt dann so amüsante Blüten, dass die Bayerische Meisterschaft eigentlich auch die Deutsche Meisterschaft ist, aber separat ausgetragen wird. Und dass die Alpenländische Meisterschaft eigentlich die Weltmeisterschaft ist, aber Alpenländische heißt, weil nur Bayern und Österreicher daran teilnehmen.


Ganz klar, hört man es da gleich raunen, die fahren eh alle nur wegen des einarmigen Reißens hin, also des Maßkrugstemmens in trauter Gemütlichkeit. Das stimmt schon: Die Kameradschaft ist sehr ausgeprägt – aber erst nach dem Wettkampf. Denn für den gelten strenge Regeln, und wer sich nicht gleich das Kreuz verreißen oder die Haut vom Mittelfinger schälen möchte, der nehme die Sache lieber ernst.


Beim Fingerhakeln sitzen sich beide Gegner auf Hockern gegenüber und versuchen, den anderen zu sich herüberzuziehen. Der Tisch dazwischen darf nur 79 Zentimeter hoch, 74 Zentimeter breit und 109 Zentimeter lang sein, alles maximal. Um die Mittelfinger, die sie sich vorher mit Magnesium einreiben, legen sich die Kontrahenten einen Lederring, der ist zehn Zentimeter lang und sechs bis acht Millimeter dick. Wer zweimal verliert, scheidet aus. Und

man verliert auch, wenn man loslässt. Damit dabei nix passiert, ist hinter jedem Hakler ein Auffänger platziert.


Wer sich das mal aus der Nähe anschauen möchte, der kann sich an die Schlierachgauer Fingerhakler aus Hausham wenden, die haben bei den letzten Meisterschaften in fast jeder

 

Alters- und Gewichtsklasse einen Hakler im Spitzenfeld platziert. Dauer-Champion in der Königsklasse, dem Schwergewicht ab 90 kg, ist allerdings ein Werdenfelser: der 29-jährige Mechaniker Josef Utschneider aus Ohlstadt. Der macht gern nur mit den Mittelfingern Klimmzüge und hat sich einen eigenen Trainingstisch gebaut, mit Gewicht am Seilzug zum gezielten Kraftaufbau. Von wegen Gaudi!

 

 

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