Wenn schon denn schon

Rolls-Rocye Cullinan misst 5,34 m in der Länge

Rolls-Royce Cullinan mit charakteristischem Kühlergrill

Lenkrad und Armaturenbrett

Schaltung

Emblem

Mittelkonsole Rückbank

Picknick-Sessel

Rückbank

Rolls Royce
Rolls-Royce Motor Cars München
Nymphenburger Straße 4
Tel. 089/45224180
 
www.rolls-roycemotorcars-muenchen.de

 

Lange, sehr lange hat man bei Rolls-Royce gezögert, ein Sports Utility Vehicle auf die Räder zu stellen. Mit dem „Cullinan“ geht die Traditionsmarke nun aber aufs Ganze.

 

Dass Rolls-Royce nicht einfach nur eine weitere Auto-Marke ist, weiß jedes Kind. Rolls-Royce umweht schon immer ein Flair von Einzigartigkeit und Exklusivität, von erlesener Güte und vielleicht auch davon, was Kontinentaleuropäer als „britischen Spleen“ bezeichnen würden. Nun mag die Automobil-Sparte des britischen Unternehmens, das auch Triebwerke für Düsenjets herstellt, seit Anfang der 2000er-Jahre zwar zum BMW-Konzern gehören. Am Selbstverständnis von Rolls-Royce aber, stets das beste Auto der Welt zu bauen, niemals aber dem Mainstream zu folgen, hat das nichts geändert. Dass andere Edelmarken, etwa Lamborghini mit dem „Urus“ und sogar Bentley mit dem „Bentayga“, mittlerweile Sports Utility Vehicles, kurz SUVs im Portfolio führen, Luxus-Mobile also, die auch auf unbefestigten Wegen über eine gewisse Kompetenz verfügen (sollten) – für die Verantwortlichen bei Rolls-Royce noch lange kein Anlass, sich diesem Trend anzubiedern. „Lady Emily“ (so heißt die berühmte Kühlerfigur der Marke), zugekleistert mit Dreck und Matsch – diese Vorstellung dürfte für manchen Liebhaber der Marke zunächst wohl ein Sakrileg gewesen sein. Was dann irgendwann doch zum Umdenken geführt hat, ob es schlichtweg die viel zitierten Erfordernisse des Marktes waren, spielt letztlich aber keine Rolle. Wenigstens nicht, solange das Resultat stimmt.

 

Und dass dem so ist, dafür war den Verantwortlichen bei RR das Beste, Größte, Schönste nur gut genug. Das fängt schon beim Namen an. Trägt das erste SUV aus dem Hause Rolls-Royce mit „Cullinan“ doch den Namen des mit 3.106 Karat größten jemals gefundenen Diamanten. Dieses Mega-Mineral wurde bereits 1905 in einer südafrikanischen Mine entdeckt, und seine beiden größten Teile gehören heute zu den britischen Kronjuwelen und zieren Königskrone und Zepter. Ein exklusiver Name allein aber wäre wohl etwas wenig gewesen als Kaufargument für die traditionsbewusste Klientel der Marke. Schon deshalb ist man bei Rolls-Royce einen anderen Weg gegangen als etwa beim Konkurrenten Bentley. Während man dort den „Bentayga“ kurzerhand auf der Architektur des Konzernbruders Audi Q7 etablierte, hat sich RR solch schnöder Synergie-Effekte verweigert. Statt für den „Cullinan“ auf die Plattform des BMW X5 zurückzugreifen, zog man lieber das eigene Modell „Phantom“ mit seiner flexiblen Aluminium-Architektur heran, nach eigenem Selbstverständnis ohnehin das beste Auto der Welt. Die Basis stimmt also. Und das Drumherum? Sprich, wie ist er denn nun, der „Cullinan“? Mit einem Wort: mächtig! So erstreckt sich die monumentale, 2,7 Tonnen schwere Skulptur über 5,34 Meter und kommt auf gewaltigen 22-Zoll-Rädern daher.

 

Und zumindest von vorne ist der „Cullinan“ nicht nur eine imposante, sondern auch eine aufregende Erscheinung. Eine, deren Gesicht geprägt wird durch das aktuelle Marken-Gesicht mit dem charakteristischen Kühlergrill, der die – im besten Sinne – unerschütterliche Solidität einer altdeutschen Wohnzimmer-Schrankwand vermittelt. Ein Look mit dem gewissen Etwas, unverwechselbar und durchaus charakterstark – was man allerdings von der Seitenansicht kaum behaupten kann. Hier wirkt der Rolls, nun ja, im besten Fall irgendwie unfertig, im schlechtesten beinahe ein wenig grobschlächtig – vor allem, wenn man ihn mit der Eleganz etwa eines ähnlich gedachten Range Rover vergleicht. Aber wie sagt doch der Volksmund, „Gefallen macht schön!“ Und gerade im Innenraum, da lässt dieses erste Rolls-Royce-SUV dann auch keine Wünsche offen. Dass die verbauten Materialien – Holz, Leder, Stoffe – zum Edelsten gehören, was zu bekommen ist, gehört ohnehin zum guten Ton. Aber nicht nur Optik und Haptik stimmen, sondern auch der Nutzwert. So sorgen (gefühlt) daumendicke Teppiche, Dämmstoffe und besonderes Glas dafür, dass vom lärmenden Unbill der Außenwelt kaum etwas ankommt bei den Passagieren. Selbst dann nicht, wenn der Fahrer einmal die Kraft des formidablen 6,75-Liter-V12-Motors abruft, der 571 PS leistet und es auf ein sagenhaftes Drehmoment von 850 Nm bringt.

 

In nicht viel mehr als fünf Sekunden katapultiert sich der „Cullinan“ dann auf 100 km/h, und erst bei stolzen 250 km/h endet der Vortrieb. Das alles geschieh mit einer Leichtigkeit, ja Selbstverständlichkeit, die man diesem schließlich annähernd drei Tonnen schweren Gefährt kaum zugetraut hätte. Wenigstens, solange es geradeaus geht. Denn (schnelle) Kurven sind nicht unbedingt sein Metier. Dann machen sich das Gewicht und der hohe Aufbau eben doch bemerkbar und erinnern daran, dass ein SUV in erster Linie eben kein Sportwagen ist – auch wenn manche Konkurrenten das anders sehen mögen. Apropos SUV. Die entscheidende Frage ist noch offen. Wie nun schlägt sich der „Cullinan“ dort, wo ein Rolls-Royce stets als deplatziert galt, dort, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen, irgendwo im Nirgendwo. Die Antwort lautet: sehr gut! Tatsächlich darf man sich mit dem „Cullinan“ dank einer Watttiefe von 54 Zentimetern und einer ausgeklügelten Luftfederung auch mal über den (nicht allzu tiefen) Fluss und in die Wälder trauen. Weitere clevere Detaillösungen – etwa ein Kühlfach für den Champagner und die zwei, über den unteren Part der geteilten Heckklappe elektrisch ausfahrenden, Picknick-Sessel – garantieren, dass einem gelungenen Picknick nichts im Wege steht. Immer vorausgesetzt, man ist bereit, tief in die Tasche zu greifen. Denn nicht zuletzt auch beim Preis wird Rolls-Royce dem eigenen Anspruch gerecht, stets das Ultimative zu wollen: Mit einem Kaufpreis von mindestens 315.000 Euro ist der „Cullinan“ das mit Abstand teuerste Sports Utility Vehicle der Welt!


Von Andreas Kötter

 

Käfer - Die Zeitung 1/2019

 

 

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