Laura Straßer

Studio Laura Straßer
Rudolfstraße 11
10245 Berlin
 
www.laura-strasser.de

 

Von einer jungen Berliner Produktdesignerin, ihrer Arbeit mit dem „weißen Gold“ und sprechenden Tieren

 

In blau-weiß gestreifter Arbeitsschürze, die Unterarme bedeckt von Staub und Schlicker, sitzt Laura Straßer an einer Drehscheibe in ihrem Studio in Berlin. Mit Zieheisen, Messer und Schleifpapier feilt sie voller Hingabe an der Masse auf der Arbeitsfläche, die zunehmend Form annimmt. Die Hände sind zweifelsfrei das wichtigste Werkzeug der 37-Jährigen, die Anekdoten, Merkwürdiges und Kurioses aus dem Alltag in formschöne Porzellankreationen mit Witz und Tiefgang übersetzt. Zur Arbeit mit dem facettenreichen Material kam Laura über ihr Produktdesign-Studium an der Bauhaus-Universität Weimar. Während eines Auslandsaufenthaltes belegte sie am New Yorker Pratt-Institute einen Kurs zum Thema Keramik. Die feine, samtige Haptik und die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten faszinierten sie derart, dass sie, zurück in der Heimat, begann, sich intensiv mit den Verarbeitungstechniken und der Geschichte zu beschäftigen. Zum ersten Mal gelang die Fertigung von Porzellan im siebten Jahrhundert n. Chr. in China.

 

Nur wenige Produzenten kannten zu dieser Zeit das perfekte Zusammenspiel von Inhaltsstoffen und Herstellungsverfahren und hielten es weitgehend geheim. So wurde das Material rasch zu einem begehrten Gut. Der venezianische Händler Marco Polo war es schließlich, der fast 700 Jahre später die ersten Porzellanobjekte mit in seine italienische Heimat brachte und so eine regelrechte Euphorie in Europa auslöste. Weil man jedoch nicht um die chemische Zusammensetzung wusste und die Verfügbarkeit knapp war, entwickelte sich das „weiße Gold“ im Laufe der Jahre immer mehr zum Statussymbol für reiche Großkaufleute, den Adel und die Königshäuser. Die Rezeptur zu knacken, gelang erst 1707 in Meißen, wo drei Jahre später die berühmte Porzellan-Manufaktur Meissen von Kurfürst August dem Starken gegründet wurde.

 

Ein anderer deutscher Traditionshersteller war es, der die Karriere von Laura Straßer maßgeblich beeinflusste – das Thüringer Unternehmen Kahla Porzellan. Neben einigen Projekten entstand hier auch Lauras Diplomarbeit, in deren Anschluss die damals 28-Jährige ihr eigenes Studio eröffnete. „Durch Kahla-Modellbauer Klaus Kinast habe ich einen Herstellungsprozess kennengelernt, der mich nach dem Skizzieren zügig mit dem Material arbeiten lässt. Für mich wesentlich, da ich das Handwerk im Studium nicht gelernt habe“, erzählt sie. Seitdem führt ihr Weg zur endgültigen Form immer vom Papier über ein Gipsmodell, um die Entwürfe auf Handlichkeit zu überprüfen. Spannend bleibt die Reise zum fertigen Produkt trotzdem, denn Porzellan verändert sich beim Brennen. Je nach Masse schrumpft es um etwa ein Siebtel, verändert und verzieht sich, da es noch mal kurz weich wird, um dann wieder zu verschmelzen. Von einem einmal gebrannten Stück lässt sich kein neues Modell formen, das zum gleichen Ergebnis führt.

 

Mit dieser Charakteristik des Porzellans spielt Laura Straßer in ihrem Projekt „14 %“: Insgesamt fünf Lampenschirme im Vergleich lassen hier die Schrumpfung des Materials erkennen, denn jeder ist ein Abguss des größeren und Vorlage für den nächstkleineren Schirm. Auf neue Ideen kommt die umtriebige Berlinerin meist, indem sie etwas Spannendes sieht oder liest, mit neuen Techniken in Berührung kommt oder geschichtliche Zusammenhänge untersucht. Ihre Arbeiten gestaltet sie dann entweder in Eigenregie oder als Auftragsarbeiten für verschiedene Firmen. Ergebnis eines Forschungsprojekts zum Thema touch-sensitives Porzellan ist etwa ihre aktuelle Kooperation mit der Manufaktur Reichenbach, die Porzellanfiguren durch eine digitale Komponente zur Interaktionsfläche macht. „Ein ungewöhnliches Projekt“, beschreibt sie die Zusammenarbeit. „Darf man doch das kostbare, zerbrechliche Material in der Regel nicht anfassen. Bei den Porzellantieren ist das jedoch ausdrücklich erlaubt.“ Werden die „TalkingHeads“ in Form von Elefant, Frosch und Papagei nämlich berührt, geben sie charakteristische Laute von sich.

 

Anders als herkömmliche Porzellanfiguren sollen sie nicht im Schrank verstauben, sondern ihre Besitzer überraschen und zu Lieblingsstücken werden. „Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, die Produkte umfassend und tiefsinnig zu betrachten“, erklärt Laura Straßer. „Ich lade sie mit Geschichten, Konzepten und Kontext auf, die sie weitergeben sollen – ein Teller beispielsweise soll durch bewusste Verzierungen über die reine Funktionalität hinausgehen.“ Das Entwerfen von Porzellandekor für Geschirr ist für die Designerin ein Herzensprojekt. So sind bereits eigene Editionen für Schloss Molsdorf, die Bauhaus-Universität Weimar und die Akademie Schloss Solitude entstanden. Mit Ilmgold hat sich daraus inzwischen sogar eine eigene Marke entwickelt, unter der Laura Straßer ständig an neuen Ideen feilt. Auf Anfrage fertigt sie spezielle Designs für Restaurants, Hotels, private Feiern wie Hochzeiten oder sogar das ganz persönliche Familienporzellan.

 

Von Theresa Wiediger

 

 

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