Sebastian Herkner

Neue Werkstätten
Promenadeplatz 8
80333 München
Tel. 089/2420500
 
www.sebastianherkner.com
&
www.ames-shop.de
 

 

Seine neue Ames-Kollektion verbindet Produktdesign und Kunsthandwerk

 

Er ist einer der renommiertesten deutschen Produktdesigner. Neben seinen Entwürfen für große Namen der Branche wie Dedon, Schönbuch oder ClassiCon, präsentiert Sebastian Herkner nun mit seiner Kollektion „sala“ für die deutsche Marke ames eine ganze Möbelund Accessoire-Linie, die ihre Inspiration aus der Formensprache und Farbvielfalt des kolumbianischen Kunsthandwerks zieht. Wir haben uns mit ihm in den Neuen Werkstätten in München über sein Herzensprojekt unterhalten. „Während meiner Zeit als Design-Student in Offenbach habe ich miterlebt, wie viele traditionsreiche auf handwerklicher Basis produzierende Firmen, etwa der Lederwarenhersteller Goldpfeil, vom Markt verschwanden“, erzählt Sebastian Herkner im Interview. „Das hat mich nachhaltig geprägt und meine Auffassung gefestigt, dass modernes Produktdesign eng mit Handwerksbetrieben zusammenarbeiten sollte, da erst so wiedererkennbare Produkte mit Ecken und Kanten entstehen, Produkte, die Geschichten erzählen.“


Der 37-jährige Produktdesigner ist bekannt dafür, mit seinen Entwürfen gegen den Strom zu schwimmen. Weit entfernt von Sterilität und Gleichförmigkeit sind seine Möbel Einzelstücke, deren „Imperfektion“ den handwerklichen Hintergrund und Herkners Faszination für „echte Materialien“, für „Materialien aus dem Fundus der Großmutter“, spüren lassen. Und so sind auch seine bekanntesten Designs, wie etwa der „Bell Table“ von ClassiCon, der schon mal ein Luftbläschen im mundgeblasenen Fuß oder eine Unebenheit aufweist, Meisterwerke traditioneller Handwerkskunst, die auch in Herkners Wohnung stehen und mit denen er im engen Sinne „zusammenlebt“. Als ihm die Kolumbianerin Ana María Calderón Kayser, die 2006 die deutsche Möbelmarke ames gründete, vor einigen Jahren vorschlug, sich gemeinsam auf eine Reise in ihr Heimatland zu begeben, um dort mit lokalen Handwerkern ein Projekt zu realisieren, war er sofort Feuer und Flamme. Kayser wollte eine Produktlinie entwerfen und produzieren, die Formen, Farben und Techniken der reichen Tradition des kolumbianischen Kunsthandwerks mit westlichen Design-Konzepten verknüpft.

 

Das entsprach exakt Herkners Anspruch. Und die Erfahrungen vor Ort haben ihn in der Folge nachhaltig beeindruckt. „Neben der erstaunlichen Palette an tradierten Techniken waren es auch die sehr persönlichen Begegnungen mit den Handwerkern, den „artesanos“, deren ganzer Stolz in der Beherrschung dieser Techniken liegt, die uns bewogen haben, das Projekt in die Tat umzusetzen“, erzählt er. „Außerdem die Faszination für die Vitalität Kolumbiens, die sich in der Lebenslust der Leute, ebenso wie in den satten, intensiven Farben ausdrückt.“ Natürlich mussten erst die geeigneten Betriebe, in der Regel Familien, die sich einer bestimmten Fertigungstechnik, wie einem besonderen Flecht- oder Webeverfahren widmen, für das Projekt gefunden werden; und den potenziellen Partnern dann die eigene, „internationale“ Vorstellung von gelungenem modernen Design vermittelt werden.

 

Ein Prozess, der rund drei Jahre in Anspruch nahm. Besonders wichtig war es Kayser und Herkner zudem, dass die so entstehenden Produkte durch faire Löhne und Arbeitsbedingungen den Respekt für die Arbeit der „artesanos“ ausdrücken, eine echte, gleichberechtigte, interkulturelle Zusammenarbeit darstellen und möglichst ressourcenschonend und nachhaltig gefertigt werden. Der Erfolg des Projektes ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile konnten die Betriebe zusätzliche Mitarbeiter einstellen, z. B. in neue Webstühle oder bessere Arbeitsmaterialien investieren, die die von den europäischen Partnern geforderte unantastbare Qualität garantieren. Die farbenfrohe Kollektion umfasst Textilien wie Teppiche, Kissen und Decken, teils für den Außenbereich geeignete Stühle, Tische, Beistelltische sowie Accessoires wie Tontöpfe oder Körbe. Allen Entwürfen ist das gewisse Etwas eigen, das aus der kolumbianischen exotischen Inspiration schöpft. Ein besonders originelles Resultat des Projektes ist das Fahrrad „bici“, eine limitierte Edition, die sich an den in Kolumbien weitverbreiteten „retro“ anmutenden Rädern orientiert und dessen Korb am Lenker aus recycelten Kunststoffschnüren besteht.

 

Von Christian Wurm

 

 

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