Le Rodin du Chocolat

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Der französische Chocolatier Patrick Roger kreiert erlesene Schokoladen, die selbst anspruchsvollste Gaumen faszinieren. Aber der Meister der Kakaobohne ist auch Künstler und schafft aus der süßen Masse Skulpturen aller Art. Wir haben ihn in seiner Schokoladen-Manufaktur in Sceaux bei Paris besucht.


Sceaux, zehn Kilometer südlich der Seine-Metropole, ist bekannt für sein Schloss und den Park von Le Nôtre. In der idyllischen Kleinstadt liegt aber noch eine weitere Attraktion: die Fabrik des Schokoladenkünstlers Patrick Roger. Der Chef empfängt uns in seinem Atelier, das von Schokoladenduft und drei überdimensionalen Köpfen erfüllt ist. Hier arbeitet der Chocolatier nicht etwa an den neuesten Pralinen oder Rezepturen, nein, er modelliert gerade an einer Papst-Skulptur. „Ich habe Franziskus kürzlich im TV gesehen und er hat mich einfach inspiriert. Alle meine Kreationen entstehen aus einer spontanen Intuition“, erzählt er und zeigt uns die dazugehörigen Skizzen. Der rund 200 kg schwere Kopf gibt die markanten Züge des heiligen Vaters gekonnt wieder: mit großer Brille und einer XXL-Nase. Und durchaus provokant: mit Ohren aus knienden Mädchen. Dabei ist die dunkle Masse als Rohmaterial eine Herausforderung: „Sie ist unterschiedlich hart und lässt sich somit nicht immer leicht bearbeiten.“Die schönsten Werke werden in Bronze gegossen und verewigt. Immer öfter arbeitet Roger auch gleich mit Aluminium. Ein monumentales Werk aus 16 lebensgroßen Flusspferden (7,80 x 2,40 Meter) wird auf der Art Basel in Miami zu sehen sein. Auch im Grand Palais in Paris wurden seine Kunstwerke schon ausgestellt. Anlässlich des 20-jährigen Mauerfalls hat der Créateur aus 90 kg Kakaomasse eine 15 Meter lange Berliner Mauer geschaffen. Mit Graffiti aus pulverisierter Kakaomasse und Lebensmittelfarbe – sehr beeindruckend, täuschend echt und zuckersüß!


In seinem Experimentierlabor entstehen aber auch die delikaten Pralinen, Ganache, Bonbons und Fruchtgelees, für die er so berühmt ist. Zum Beispiel die „Rochers Instincts“: ein Pralinen-Quader aus dunkler Schokolade, Mandeln und Haselnüssen, wie all seine Tafelschokoladen in eleganten Boxen in Schwarz und Türkis verpackt. Den Farben, die markant auf dem Logo sowie in seinen exklusiven Boutiquen überall auftauchen. Eine edle Umhüllung für edelsten Inhalt. Patrick Roger unterscheidet dabei vier „Familien“: Noir Brut (kräftige, gehaltvolle Schokoladen), Noir Rare (Kakaobohnen seltener Herkunft), Noir Etreinte (ausgewogene, runde Schokoladen) und Noir Delire (Milch- und weiße Schokolade). „Wir arbeiten bei allen Produkten nur mit besten Zutaten!“, erklärt der 49-Jährige seine Philosophie.


Die hochwertigen Kakaobohnen kommen aus 47 Herstellerländern, darunter Ecuador, Kolumbien, Ghana oder Peru. „Und die Butter beziehen wir aus dem Elsass, nicht aus der Normandie, denn da ist das Wetter zu instabil, was sich wiederum auf die Qualität auswirkt.“ In seinen Schokoladen-Kreationen werden zudem nur frische Kräuter und Zutaten verarbeitet, keine Essenzen oder Aromen. Auch Konservierungsstoffe lehnt er strikt ab. Der Bäckersohn, der in der Nähe des Loire-Tals aufwuchs, liebt die Natur und die Farbe Grün. Deshalb liegt ihm auch sein Kräutergarten besonders am Herzen: Basilikum, Zitronenthymian, Salbei, verschiedene Minzsorten, alles Zutaten für seine süßen Kreationen. „Und meine Bienenvölker hier auf dem Gelände haben mich zu den Bienenstöcken aus Schokolade inspiriert.“ Im Süden Frankreichs besitzt der Künstler zudem Weinberge und 10.000 Mandelbäume. Rund zehn Millionen Stück Schokolade stellen seine 20 Mitarbeiter, die aus allen Teilen der Welt kommen, im Jahr her. Stefano aus Bologna und Daniel aus Brasilien begleiten uns auf dem Rundgang durch die Manufaktur. Im Moment ein Provisorium, denn die neue Schokoladenfabrik wird nach einem Großbrand vor sieben Jahren erst im Herbst bezugsfähig sein. Dann gibt es endlich wieder mehr Platz und optimale Fazilitäten für das wichtige Weihnachtsgeschäft.


Ein Künstler ist natürlich immer auch Unternehmer: „Jede Sekunde kostet mich 1,38 Euro. Zeit ist kostbar!“, erklärt er. „Ich habe circa 250 Millionen Schritte und Aufgaben im Jahr zu bewältigen, die mich zu dem geführt haben, was ich heute bin. Und das seit 30 Jahren!“ Da will jede Minute genutzt sein. Umso mehr freuen wir uns über die zwei Stunden, die uns der Vater zweier Töchter widmet. Zum Abschied, bevor der drahtige Maître auf seiner Ducati Richtung Paris braust, probieren wir noch seine Lieblingskreation, die „Désir“, und hören gerne, was er dazu sagt: „Gute Schokolade macht nicht dick! Ich empfehle sie zum Nachmittagskaffee. Das ist Wohlempfinden, das ist Sinnlichkeit, das ist ein Aphrodisiakum!“


 

 

 

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