Der Bernerhof

25.03.2010 15:54 Alter: 9 yrs
Hotel Bernerhof Gstaad
Promenade
CH-3780 Gstaad
Tel. 0041/33/7488844
 
www.bernerhof-gstaad.ch

 

Die erste Begegnung ist ja heutzutage immer häufiger eine digitale. Und Thomas Frei, dem Inhaber und Hotelier des Bernerhof in Gstaad begegnet man am unmittelbarsten auf seiner Website wanderhotelier.ch. Wanderhotelier? Gstaad? Wie passt das denn zusammen, und: Was erwartet einen da? Kaviar und Rucksack-Aroma? Nun, von außen ist der Bernerhof absolut unprätentiös. So zurückhaltend, dass es schon wieder Absicht sein muss. Überall könnte er stehen, aber er steht hier: mitten in Gstaad. Auch eine Eingangshalle mit großer Geste fehlt ihm. Stattdessen ist der Bernerhof ein Haus, das man gerne betritt. Ohne Scheu, ohne vorherigen Blick in den Spiegel. Die Lage ist wirklich brillant. Das autofreie Gstaader Zentrum mit seiner Flaniermeile direkt vor der Tür. Man kann mit dem Zug bis zum Hotel fahren, denn der Bahnhof liegt direkt nebenan. Oder mit dem Auto über die Bahnhofszufahrt bis vor die Tür. Aber am besten unterwegs ist man hier zu Fuß.

 

Seit 111 Jahren gibt es den Bernerhof nun schon. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er im Besitz der Familie Frei. Und seitdem geht Thomas Frei viermal pro Woche mit seinen Gästen zum Wandern. Er kommt ihnen näher und auf andere Gedanken. Man kommt ins Plaudern und wird gemeinsam ruhig. Wandern im Saanenland rund um Gstaad, ja, das kann sehr entspannend sein, fast meditativ. Es gibt Wege für Freaks und für Familien, und Thomas Frei, der kennt sie alle. Alles steht bereit dafür im Bernerhof: LOWA-Wanderschuhe, -socken und -stöcke, Rucksäcke und Schneeschuhe werden gratis verliehen. Jeden Morgen kann man sich die Wanderverpflegung fürs Lunchpaket selbst zusammenstellen, ohne dass jemand ein strenges Auge darauf wirft. Es gibt begleitete Touren mit Abholservice und auch ganz individuelle Routen samt Kartenmaterial. Und eine eigene App, die gibt es auch, den Bernerhof inGuide mit den schönsten Aussichten, den seltensten Pflanzen und dem besten Hobelkäse im Saanenland. Und auch so manchem Tipp, der anderen Hoteliers nicht im Traum einfallen würde, weil man damit ja die Konkurrenz empfiehlt. Kurz: Das ist alles sehr souverän. Und doch ist das Wandern nicht der Kern des Bernerhofes, es ist eher das i-Tüpfelchen. Oder anders gesagt: der Ausdruck einer Haltung, die nicht eine üppige Wellnesslandschaft braucht, wenn man von einer solchen Natur umgeben ist. Ein Indoor-Pool, ein Kneipp-Becken, Sauna und Dampfbad tun’s auch. Topmodern, ohne Schnickschnack, einfach schön gemacht. Das gilt auch für die Zimmer und Suiten, die in den letzten Jahren auf Vordermann gebracht wurden. Berner Oberländer Baustil, modern interpretiert, ganz und gar nicht selbstverliebt. Über 90 Prozent der Investitionen blieben in der Region, nur die Bettkästen und Badarmaturen stammen von außerhalb. Das sieht gut aus – und man fühlt die Qualität noch mehr, als man sie sieht.

 

Doch bevor man sich bettet, kommt der Genuss, und dafür bieten Brigitte und Thomas Frei gleich vier Restaurants und eine Smoking-Lounge an. Man muss nicht Hotelgast sein, um sie zu besuchen, aber mit der Dine-around-Halbpension macht es gleich noch mehr Freude, wenn die garantiert selige Nachtruhe nur ein paar Stockwerke entfernt ist. Und selig wird man schnell! In der urigen Gaststube und im Restaurant Stafel mit erlesenen regionalen Zutaten. Mal herzhaft interpretiert beim klassischen Fondue bis hin zum exklusiven 5-Gang-Menü, wobei man dank eines ausgebildeten Diätkochs auch gluten- und laktosefreie Gerichte bereithält und sogar vegan lebende Gäste glücklich macht. Danach muss man in Gstaad sonst lange suchen. Im Blun-Chi, dem einzigen authentischen China-Restaurant der Region und jüngst mit 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet, ist schon das Zuschauen eine Freude, wenn in der offenen Küche jeder Handgriff mit absoluter Finesse ausgeführt wird. Und tatsächlich 14 Gault-Millau-Punkte hat Thomas Frei mithilfe seines Freundes Martin Dalsass im „Basta by Dalsass“ erreicht. Dalsass, der gebürtige Südtiroler und jetzige Engadiner Sternekoch, berühmt für seine Olivenölküche und seine unglaublichen Teigwaren, ist ein alter Freund der Familie, seit er einst im Bernerhof seine erste Schweizer Kochstelle antrat. Er hat zu Frei nicht nur seine besten Rezepte geschickt, sondern auch einen seiner besten Männer: das Pasta- und Risottogenie Loris Meot. Während der in der offenen Küche zaubert, kann man sich entweder schon mal in die Weinkarte fallen lassen (mit einigen vorzüglichen großen Größen) oder man lässt sich von Maître Guiseppe di Bella ins benachbarte und über eine Glastür direkt zugängliche Feinkostgeschäft begleiten und sucht sich dort frischen Fisch oder seinen Lieblingswein für ein geringes Korkgeld aus. Ein Genießertraum!

 

Danach wartet noch die Smokers-Lounge, eine der schönsten im Alpenraum, mit ihrer reduzierten Ästhetik und famosen Single-Malt-Vitrine. Mit eigens angefertigten ledernen Clubsesseln und einer famosen Audio-Anlage samt Vinyl-Schallplattensammlung. Ein wunderbarer Ort, wie dieses ganze Hotel und seine Inhaber, die diesem Haus auf ganz leichte und charmante Weise Seele verleihen. Brigitte und Thomas Frei haben mit Eigensinn und Feingefühl ein unverwechselbares Haus geschaffen. Ohne Anbiederung und Kompromisse, und das ist selten in dieser marketinggetriebenen Zeit. Deshalb sind die beiden – bei allen Punkten und Lobpreisungen – das eigentliche Ausrufezeichen hinter diesem einzigartigen Bernerhof in Gstaad. Hut ab!

 

 

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