Genuss und Lebensfreude – Gut Kaltenbrunn

25.03.2010 15:54 Alter: 8 yrs
Gut Kaltenbrunn
Kaltenbrunn 1
83703 Gmund
Tel. 08022/1870700
 
www.kaefer-gut-kaltenbrunn.de

 

Andreas Schinharl und Gabriele Frei sind die beiden Geschäftsführer auf Gut Kaltenbrunn. Er, seit knapp einem Jahrzehnt im Haus Käfer tätig. Sie, nach einer internationalen Hotelkarriere neu dabei. Und doch bilden die beiden vom ersten Tag an ein Team, und zwar ein ganz besonderes …


Nein, sie kannten sich vorher nicht – oder doch? „Nur ganz, ganz flüchtig“, sagen beide unisono, „aus St. Moritz, aber kennen wäre wohl zu viel gesagt“. Gabriele Frei und Andreas Schinharl sind die beiden Geschäftsführer der Käfer Gut Kaltenbrunn GmbH, die beiden Menschen also, die die Verantwortung tragen für einen Betrieb mit derzeit über 90 Mitarbeitern, der vom Tag der Eröffnung an selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen hat.


Andreas Schinharl ist als Küchendirektor für die gesamte Kulinarik, die gutseigene Landwirtschaft und die Lieferantenbeziehungen verantwortlich, sein Steckenpferd. Die „Erzeugergemeinschaft Käfer Gut Kaltenbrunn” wurde eigens von ihm ins Leben gerufen. Gabriele Frei kümmert sich hauptsächlich um das Administrative, die Events, den Verkauf und um die Mitarbeiter im Service.


Beide – er, Mitte vierzig, sie, ein paar Jährchen jünger – sind auf ihre jeweils eigene Art Menschen, denen man einfach Respekt entgegenbringt: klar, verbindlich und verlässlich und immer auch von einer stets mitschwingenden Herzlichkeit. Sind sie sich sonst auch ähnlich? „Nein!“, lachen beide. Er ist mehr der kraftvoll Impulsive und sie die sensibel Kontrollierte, sie gehen auf Gut Kaltenbrunn konsequent ihre eigenen Wege – und das ist vielleicht das Erfolgsgeheimnis. Aber ein Team sind sie schon? „Unbedingt, wir ergänzen uns gut!“ Gerade weil die beiden so unterschiedlich sind, was sich auch aus ihren Lebensläufen ablesen lässt. Andreas Schinharl stammt aus Straubing. Dort lernte er erst Metzger und machte dann im Traditionswirtshaus Seethaler eine Lehre zum Koch. Im Münchner Restaurant Boettner kam er erstmals mit der Sterneküche in Berührung, fuhr auf der MS Europa um die Welt und holte sich bei 3-Sterne-Koch Claus-Peter Lumpp im Hotel Bareiss in Baiersbronn seinen letzten Schliff. Seine Jahre bei Reto Mathis in St. Moritz bereiteten ihn dann bestens auf das vor, was ihn bei Käfer erwartete: einehohe kulinarische Kreativität mit einer beachtlichen Schlagzahl zu verbinden. Michael Käfer übertrug ihm als Küchenchef während der Fußball- WM 2006 die Verantwortung für das VIP-Catering im Berliner Olympiastadion und danach die leitende Position beim Käfer Party-Service. Ab 2007 übernahm Schinharl zusätzlich die Verantwortung als Küchenchef der Käfer Wiesn-Schänke auf dem Oktoberfest.


Mehr als ein Achtungserfolg wurde sein Kochbuch „Einfach gut bayerisch“, das er gemeinsam mit Michael Käfer 2009 in der Collection Rolf Heyne herausbrachte. Schon damals fiel auf, wie viel Wert er auf die Beziehung zu seinen Lieferanten legt, wie viel Zeit er dafür verwendet, für Käfer die allerbesten zu finden und zu pflegen, und seien sie auch noch so klein. Getreu seinem Motto „Viele können gut kochen, aber wer die besten Zutaten findet, setzt sich von den anderen ab“ fördert er seit Jahren die Zucht und den Anbau seltener und häufig vergessener Rassen und Sorten. Schon ein schneller Blick in seine Gut Kaltenbrunn-Speisekarte zeigt, mit welcher – manchmal geradezu sturen – Akribie er sich seiner „bayerischen Cuisine naturelle“ verschrieben hat: Da werden rauchfrische Pfälzer mit saurem Erdäpfelgemüse (für Nichtbayern: Kartoffelgemüse) und Majoranschmand gereicht, und einen Klassiker wie das Wiener Schnitzel vom Milchkalb kombiniert Andreas Schinharl mit Petersilienerdäpfeln, kaltgerührten Preiselbeeren, Bio-Zitrone, Kapernapfel, Sardelle und Kopfsalat. So gehört sich das halt. Keine Kompromisse! Gabriele Frei überlegte nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt Bad Tölz erst, ob sie Medizin oder Jura studieren sollte, ging dann aber doch für ein Jahr auf die Hotelfachschule Speiser in Rottach-Egern und verliebte sich in den Tegernsee. Nach einer Lehre zur Hotelfachfrau im Hotel Platzl in München machte sie während eines vierjährigen Studiums an der Ecole Hotelière de Lausanne erste Auslandserfahrungen. Ihre erste Station war das neu eröffnete „The Peninsula Chicago“, bevor sie nach St. Moritz ins legendäre „Badrutt’s Palace“ wechselte und sich bis zur Salesund Marketing-Managerin hocharbeitete. Nach drei Jahren verließ sie 2006 das Engadin und wechselte als Director Sales & Marketing zur Oetker Hotel Collection und ging danach nach Wien, wo sie es im Palais Coburg bis zur General Managerin brachte und mit Silvio Nickol, einem der ambitioniertesten deutschen Sterneköche, eine Michelin-Erfolgsgeschichte schrieb. Ist der Umstieg von der Sterneküche zur Gutshofküche nicht ein großer Schritt? „Nein“, denn an Andreas Schinharl schätzt Gabriele Frei besonders seine kulinarische Bandbreite - „Was der alles kann, und auf welchem Niveau!“ und seinen Ideenreichtum: „Trotz seines riesigen Erfahrungsschatzes: Was immer wir auch planen, er kommt immer noch mit etwas Neuem, Überraschendem um die Ecke.“


Schinharls Arbeit ist für die Kaltenbrunn-Gäste erlebbarer. Man sieht die Speisekarte und die Gerichte auf dem Teller. Man sieht den Kräuter- und den Gemüsegarten und die Schafe auf der Wiese unterhalb des Familienbiergartens grasen. Bald sieht man noch mehr von der gutseigenen Landwirtschaft, und mit dem zweiten Bauabschnitt kommt auch ein eigener Hofladen hinzu, alles unter seiner Ägide.


Gabriele Frei agiert mehr im Hintergrund, wie auch schon auf Schloss Elmau, ihrer letzten Station vor Kaltenbrunn, wo sie für die interne Hotelorganisation des G7-Gipfels verantwortlich war. „Muss man gut organisiert sein, Frau Frei?“ „Absolut!“, antwortet Andreas Schinharl an ihrer Stelle. „Sie beherrscht das Administrative ebenso wie das Schöne, sie kann mit Zahlen genauso gut umgehen wie mit Menschen.“ Und ab und zu ist die weibliche Komponente auch ein Vorteil, denn „damit fängt sie meine Ungeduld und meinen Ärger wieder ein, das kann sie sehr gut!“ Weitere große Herausforderungen stehen ihr noch bevor, wenn nicht nur, wie jetzt schon im Festsaal, Hochzeiten und private Feste möglich sind, sondern auch kulturelle Events und große Veranstaltungen den gesamten Gutshof nutzen, sobald 2016 der zweite Bauabschnitt endlich fertiggestellt sein wird.


Und wenn man genau hinhört, merkt man, dass beide bei all dem Trubel in den ersten aufregenden Wochen schon so etwas wie Heimatgefühle für diesen himmlischen Flecken Erde entwickelt haben, wiederum jeder auf seine Weise. Gabriele Frei, weil sie tatsächlich nach so vielen Jahren in die Heimat zurückgekehrt ist. Andreas Schinharl, weil er sein ganzes Leben lang darauf hingearbeitet hat, das zu machen, was er jetzt tut: eingebettet zu sein in eine Gemeinschaft loyaler Lieferanten, bei denen er im Wort steht wie sie bei ihm, präsentiert er jeden Tag aufs Neue eine begeisternde Küche: ehrlich, konsequent, liebevoll, bayerisch. Gabriele Freis Lieblingsplatz auf Gut Kaltenbrunn ist übrigens die Wittelsbacherstube : „Das Fenster, der Blick über den See, gemütlich, heimelig und beschützend ist das, ein Ort zum Verweilen.“ Für Andreas Schinharl ist das Bankerl an der König-Ludwig-Statue neben dem Kräutergarten einer der schönsten Flecken Oberbayerns. Aber lässt sich das nicht über Gut Kaltenbrunn insgesamt sagen?

 

 

mehr zu Gut Kaltenbrunn



Drucken

Hotel des Monats