Nissan Juke-R 2.0

25.03.2010 15:54 Alter: 9 yrs


Der Nissan „Juke-R 2.0“ mag äußerlich entfernt an den Brot-und Butter-Verkaufsschlager der Japaner erinnern. Tatsächlich aber handelt es sich um einen brachialen Dampfhammer, ein wahres Supersport-SUV-Biest von erlesener Exklusivität, so dass Ferraris, Lamborghinis oder Porsches wahrlich das Fürchten gelehrt wird.


Der/die geneigte LeserIn mag sich zunächst verdutzt die Augen reiben. Ein „Juke“, das kleine SUV auf Kompaktbasis und mit 600.000 verkauften Exemplaren in Europa so eine Art „Golf“ für Nissan, als besonders exklusives Auto-Schmankerl in „Käfer – Die Zeitung“? Da scheint der Autor auf den ersten Blick etwas falsch verstanden zu haben. Schon auf den zweiten aber wird deutlich, dass der „Juke-R 2.0“ nur noch sehr wenig zu tun hat mit Nissans Bestseller. Dieser sich breitbeinig auf dem Asphalt aufbauende Mega-„Juke“ unterscheidet sich vehement von der - je nach Empfinden – freundlich bis skurril anmutenden Ausstrahlung, durch die sich Brot und Butter-Variante auszeichnet. Mattschwarze Lackierung, riesige Lufteinlässe an der Front, mächtige Beplankungen und ein zweiteiliger Dachheckspoiler verschaffen dem Juke einen geradezu animalischen Auftritt. Findet auch die Fachpresse. „Ein Kompakt SUV mit 600 PS – das kommt dabei raus, wenn japanische Ingenieure in einer Karaoke-Bar zu lange Gas geben. Der „Juke-R 2.0“ ist eine echte Höllenmaschine“, heißt es da.

 

Oder: „Der Juke-R teilt sich zwar Namen und Silhouette mit Nissans kleinstem SUV, allerdings ist das mehr als ein fadenscheiniger Deckmantel. Unter der Oberfläche ist das hier ein wildschnaubendes, barbarisches Supercar“. Und, kurz und prägnant: „Aus Juke und Tollerei“. Stimmt, der „Juke-R 2.0“ ist ein brachiales Männerspielzeug, das selbst ausgewiesenen Supersportwagen wie einem Porsche „GT3 RS“ oder einem Ferrari „F458“ das Leben mehr als schwer machen kann. Ein automobiles Wunder ist das nicht. Denn der „Juke-R“ ist nichts anderes als ein als „Juke“ verkleideter Nissan „GT-R Nismo“ (Nismo steht für Nissan Motorsports und ist für den japanischen Hersteller das, was z. B. AMG für Mercedes ist – die High Performance-schmiede der Marke). Man muss wissen, dass der „GT-R“ in seinen verschiedenen Evolutionsstufen seit Jahrzehnten die japanische Sportwagenlegende schlechthin ist. Ein Allrad-Monster mit fauchendem V6-Biturbo, das viele Kino-Besucher aus den „The Fast and the Furious“-Streifen kennen und das in Japan den liebevoll gemeinten Spitznamen „Godzilla“ trägt.

 

Zu Recht. Stellte 2013 doch ein „GT-R Nismo“ auf der Nordschleife des Nürburgrings – nicht zuletzt für derlei Spektakel wurde der „GT-R“ entwickelt – einen neuen, wenn auch nur zwischenzeitlichen Rundenrekord für Serienfahrzeuge auf. 7,08 Minuten brauchte der japanische Superstar damals für die 20,8 Kilometer lange, wohl berühmt-berüchtigtste Rennstrecke der Welt. „Godzilla“ wollte eben doch nicht nur spielen. Gewaltige 600 PS aus 3,8 Litern Hubraum bei einem maximalen Drehmoment von 652 Newtonmetern sind jetzt die Basis für den „Juke-R 2.0“. Im „GT-R Nismo“ taugen diese Leistungsdaten für eine Spitzengeschwindigkeit von 315 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden. Ganz so extrem treibt es der „Juke-R“ zwar nicht, aber etwa 300 km/h und einen Wert von drei Sekunden von 0 auf 100 km/h schafft er allemal – was „Godzillas dicken Bruder“ in den Bereich der Supersportwagen buchstäblich katapultiert. Dass dabei die Funktionalität eines ‚normalen’ „Juke“ auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst. Sitze im Fond oder einen tauglichen Kofferraum gibt es aus Gewichts-, vor allem aber aus Platzgründen nicht. Denn weil V6-Biturbo, Getriebe und Differential sonst keinen Platz gefunden hätten, mussten Spritzwand, Armaturenträger und damit auch die Vordersitze ein Stück nach hinten versetzt werden. Selbstverständlich handelt es sich bei diesen Sitzen nicht um Komfortgestühl. Verbaut sind vielmehr rennsporttaugliche Sitzschalen mit Schraubstockcharakter.

 

Und auch der Sicherheitskäfig, der die notwendige Karosseriesteifigkeit garantiert, ist wohlweislich dem Rennsport entlehnt. Alle diese Charakteristika weisen darauf hin, dass der „Juke-R 2.0“ durch Kennerhand gezähmt werden sollte. Wer an Autos von so überwältigender Potenz nicht gewöhnt ist, dem könnte das vielzitierte Herz in die unisono zitierte Hose rutschen, wenn ab etwa 3000 U/min buchstäblich die Hölle losbricht. Geht der „Juke-R 2.0“ bis zu diesem Drehzahlbereich – wohlgemerkt verhältnismäßig -unspektakulär zu Werke, setzt darüber hinaus die schiere Leistungsgewalt umso brutaler ein - und damit möglicherweise auch eine bittere Schrecksekunde. Beruhigend, dass die Sechskolben-Bremsanlage ebenso brachial zu Werke geht. Und selbstverständlich ist auch die Straßenlage dank „GT-R Nismo“-Genen eine Wucht. Dass ein sich flach auf die Piste kauernder Allrad-Supersportwagen wie der „GT-R“ wie auf Schienen seine Kreise zieht, gehört für einen Supersportler zum guten Ton. Dass aber auch ein hochbauender Mini-SUV mit 1750 kg Leergewicht, der im direkten Vergleich mit „Godzilla“ wie eine altdeutsche Schrankwand daherkommt, derlei Qualitäten aufweist, ist alles andere als „business as usual“. (Und wenn auch nur) Gefühlt, ist der „Juke-R 2.0“ das größere, mächtigere, ja brutalere Biest im Vergleich zum „GT-R Nismo“. Was zeigt, welch exzellente Arbeit bei Nissan geleistet wird. Moment. Genau genommen wird der „Juke-R 2.0“ ebenso wie sein zunächst als Einzelstück und Concept Car gebauter Vorgänger von 2011, damals noch „nur“ mit 485 PS und schlicht „Juke-R“ betitelt, im englischen Wellingborough beim Rennstall / bei der Supersportler-Schmiede „RML Group“ ausschließlich auf Kundenwunsch gebaut. Man kann sich denken, dass dies seinen Preis haben muss.

 

Der tatsächliche Preis aber dürfte Interessierten zunächst einmal ebenso den Atem rauben wie die brutale Power des Monster-Renners. Ein Preis, der z. B. die leistungsmäßig ähnlich aufgestellten Porsche 911 GT3 RS oder Ferrari F458 vielleicht noch nicht zum Schnäppchen, aber doch günstig macht. Denn die Preisangaben für den „Juke-R 2.0“ schwanken zwischen 500.000 und 550.000 Euro und liegen damit mindestens mehr als zweieinhalb mal so hoch. Ob und wieweit diese enorme Preisdifferenz gerechtfertigt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt bleibt, dass die Exklusivität des „Juke-R 2.0“ kaum zu toppen ist. Ferraris, Lamborghinis und Porsches werden da beinahe zu Allerweltsmobilen.

 

                                                                                                        Text: Andreas Kötter

 

 

 

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