Museumsreif - Designfirmen und ihre Museen

14.10.2013 12:41 Alter: 5 yrs
Fondazione Bisazza, Montecchio Maggiore
www.fondazionebisazza.it
 
Vitra Design Museum, Weil am Rhein
www.design-museum.de
 
Poltrona Frau Museum, Tolentino
www.poltronafraumuseum.it

 

Seit geraumer Zeit warten Designfirmen von Rang nicht mehr darauf, bis ihre Entwürfe in bedeutende Museen Eingang finden. Sie eröffnen einfach eigene, die ihren Produkten eine oft von Stararchitekten entworfene, spektakuläre Bühne bereiten und nebenbei mit Ausstellungen renommierter Künstler und Designer für Aufsehen sorgen.


Zweifellos ist es dem norditalienischen, 1956 gegründeten Mosaik-Hersteller Bisazza gelungen, der bereits im Altertum verbreiteten Technik mit kunstvollen Designs eine neue Blüte zu bescheren und sich nebenbei zum weltweit bekannten Luxus-Brand zu entwickeln. Seit 20 Jahren pflegt Bisazza die Nähe zu den Protagonisten der internationalen Kunst-, Architektur- und Designszene, und so entstand eine beeindruckende Reihe von Mosaik-Kunstwerken, die sich dem Thema Mosaik aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln widmet. Um die Werke der Fondazione Bisazza perfekt zu inszenieren, gestaltete der mehrfach ausgezeichnete Architekt Carlo Dal Bianco eine ehemalige Produktionsstätte der Firma nahe Vicenza zu einem Museumsgebäude um, das vor allem durch seine großzügigen Dimensionen und die perfekte Lichtführung in den Ausstellungsräumen besticht. Damit die ehemalige Funktion des Gebäudes stets spürbar bleibt, wurden Elemente wie das alte, auf Stahlträgern ruhende Dach höchst gelungen in den Entwurf integriert. Auf den circa 6.500 qm der permanenten Ausstellung finden sich Skulpturen und Installationen so illustrer Architekten und Designer wie Patricia Urquiola, Arik Levy, Jaime Hayon, Ettore Sottsass oder Alessandro Mendini. Überraschend zu welch außergewöhnlichen Ergebnissen sich die kunsthandwerkliche Mosaik-Technik aufschwingt, wenn sie von inspirierter Hand in Kunst übersetzt wird. Ob gegenständlich oder abstrakt: Die hier präsentierten Exponate loten die erstaunlich vielfältigen Möglichkeiten der Technik ebenso originell wie innovativ aus und machen den Besuch der Fondazione zu einem Augen öffnenden Erlebnis, das wir jedem kunstinteressierten Norditalien-Urlauber ausdrücklich ans Herz legen möchten. In einem 1.000 qm großen Teil des Gebäudes beherbergt man zudem regelmäßig auch sorgfältig kuratierte Wanderausstellungen wie etwa in der Vergangenheit Werkschauen des Architekten John Pawson, des Designers Arik Levy oder jüngst der deutschen Architektur-Fotografin Candida Höfer, die für die hohe Ambition der Präsidenten der Fondazione, Piero und Rosella Bisazza, sprechen.


Einen breiteren Ansatz verfolgt das Vitra DesignMuseum in Weil am Rhein, das 2014 sein 25-jähriges Bestehen feiert und sich als eines der weltweit bedeutendsten Designmuseen etabliert hat. Ursprünglich von Rolf Fehlbaum, dem Inhaber des renommierten Möbelherstellers, als Ausstellungsraum für seine private Stuhl- und Möbelherstellung geplant, wurde das Museum nach einer Begegnung mit dem Kunstsammler Alexander von Vegesack als Designmuseum für wechselnde Veranstaltungen und Veranstaltungen konzipiert und umgesetzt. Schon das Gebäude selbst, das erste europäische Projekt des amerikanischen Star-Architekten Frank O. Gehry, bekannt für seine dekonstruktivistischen Entwürfe, ist gewohnt spektakulär geraten. Herzstück des Museums ist eine umfassende Sammlung von industriellem Möbel- und Lampendesign, ergänzt durch die Nachlässe der Crème de la Crème internationalen Industriedesigns des 20. Jahrhunderts. Schlüsselwerke von Designerikonen wie Charles und Ray Eames, George Nelson, Verner Panton ermöglichen dem Besucher einen umfassenden Überblick über alle Strömungen von Industriedesign, ausgehend von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu den heutigen Entwicklungen. Jugendstil, Wiener Sezession, Bauhaus, Nachkriegsdesign, Postmoderne oder Sustainable Design: Jede Epoche ist im Detail dokumentiert, bestens kuratiert und so schlüssig präsentiert, dass die Zeitreise zum Abenteuer nicht nur für Designliebhaber wird. Viele Modelle architektonischer Meilensteine von zum Beispiel Le Corbusier, Mies van der Rohe oder Frank Lloyd Wright, eine umfangreiche Sammlung von bahnbrechend designten Leuchten und innovativ gestalteter Unterhaltunsgselektronik beleuchten die umfassende Bedeutung von Industriedesign in allen Lebensbereichen. Das Museum dokumentiert aber nicht nur Designgeschichte, sondern greift in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit bekannten Designern zudem verstärkt zeitgenössische Themen wie Zukunftstechnologien, Nachhaltigkeit, Mobilität oder soziale Verantwortung auf, Themen, die sich in viel beachteten Ausstellungen niederschlagen. Wer sich die Möbel der Vitra home Collection selbst nicht im musealen Kontext, sondern in Wohnambiente anschauen und vielleicht das ein oder andere edle Stück erwerben möchte, kann sich genussvoll im VitraHaus umsehen, das vom Stararchitekten-Duo Herzog & De Meuron als Flagship-Store der besonderen Art entworfen wurde.


Mehr auf eigene Produkte fokussiert ist das von Michele de Lucchi entworfene Poltrona Frau Museum nahe Marcerata in der italienischen Region Marken. 102 Jahre hat der altehrwürdige Traditionshersteller von noblen Polstermöbeln mittlerweile auf dem Buckel, und so gestaltet sich ein Streifzug durch die Firmengeschichte ausgesprochen abwechslungsreich. Einzelne Unterausstellungen widmen sich bestimmten Aspekten der handwerklichen Fertigung oder besonders wegweisenden Modellen, die in ausnahmslos stilvollen und aufregenden Arrangements präsentiert werden. Sich in die vielen Filme zu vertiefen oder durch digitalisierte historische Dokumente zu blättern ist ein echtes Vergnügen und vermittelt einen hautnahen Eindruck, mit welchem Aufwand, mit welcher Leidenschaft hier über ein Jahrhundert lang gearbeitet wurde. Und nachdem Poltrona Frau nicht nur Möbel herstellt, sondern auch die Innenräume von Ferraris einkleidet und regelmäßig an der Innenraumgestaltung von Konzertsälen oder öffentlichen Gebäuden mitwirkt, ist auch dieser spannende Aspekt der Weltmarke umfassend dokumentiert.

 

 

 

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