Porzellan Manufaktur Nymphenburg - Zeitlose Kunst

21.05.2013 13:55 Alter: 6 yrs
Kategorie: Featured
Porzellan Manufaktur Nymphenburg
Nördliches Schlossrondell 8
80638 München
Tel. 089/179197/0
 
www.nymphenburg.com

 

In keiner anderen Manufaktur weltweit wird heute noch so produziert wie in der 1747 gegründeten Porzellan Manufaktur Nymphenburg: Jeder Produktionsschritt findet im eigenen Hause statt und alles, wirklich alles ist von Hand gemacht. Sogar die Porzellanmasse stammt aus eigener Produktion. Sämtliche Farben werden selbst hergestellt und gemischt, die Porzellanmaler arbeiten ohne Schablonen. Jedes Stück wird von Hand gedreht oder geformt, jedes Ornament einzeln angarniert und jeder Durchbruch, sei er auch noch so klein, mit winzigen Messern ins ungebrannte Porzellan geschnitten. Und seit eineinhalb Jahren wird in den denkmalgeschützten Werkstätten im nördlichen Rondell der Nymphenburger Schlossanlage auch wieder gelacht.

 

Es gibt Dinge, von denen man nicht glaubt, dass es sie (noch) gibt. Und es gibt Menschen, von denen man nicht glaubt, dass es sie noch gibt. Dieter Zeus ist so ein Mensch. Er ist Massemüller, seit 34 Jahren bei der Porzellan Manufaktur Nymphenburg und sein Nachname beschreibt seine imposante Erscheinung schon recht gut.

 

Ein Massemüller mischt reinstes Kaolin, grauen Feldspat und opaken Quarz mit Wasser nach einer geheimen Rezeptur und gibt es in Kugelmühlen aus dem 19. Jahrhundert, wo es zwei Tage und zwei Nächte zur rohen Porzellanmasse vermengt werden. Dann wird die Masse durch ein Netz gepresst, das 20mal feiner ist als ein Nylonstrumpf und mit starken Magneten werden ihr auch die letzten feinen Metallpartikel entzogen, die später beim Brand für feinste Sprünge sorgen würden. Dann wird die Masse in einem Holzbottich mit einem Quirl geschmeidig gerührt und zu flachen Platten gepresst. Die lagern und reifen dann zwei bis drei Jahre wie edler Käse im sogenannten Maukkeller, bis sie nochmals geknetet und entlüftet werden und bereit sind, in der Dreherei oder Formerei der Manufaktur weiterverarbeitet zu werden.

 

Jeder dieser Herstellungsschritte geschieht von Hand und das Ergebnis ist so individuell und fein, dass z. B. jeder der vier Dreher seine ganz eigene Konsistenz bekommt, ganz für seine persönliche Geschwindigkeit und die Kraft seiner Hände gemacht.

 

Nur Dieter Zeus kann das noch und seit Oktober 2011 blickt auch er wieder nach vorne. Denn seitdem hat Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern die Manufaktur als neuer Inhaber übernommen. Und man sieht es der wunderschönen Anlage am Nymphenburger Schloss auf den ersten Blick an: Dächer sind neu gedeckt, Gebäude und Innenräume renoviert, alte Lager ausgeräumt und der Park verschönert. Der ehemalige Eigentümer, der Wittelsbacher Ausgleichsfonds, hatte zuletzt nicht mehr in den Erhalt und Ausbau der traditionsreichen Manufaktur investiert. Für Qualität und Produktivität entscheidende Themen wie Produktionsprozess und Mitarbeiterzufriedenheit fanden zu wenig Beachtung, entsprechend hoch war die Fehlerquote. Gleich am ersten Tag schloss Prinz Luitpold von Bayern den aus Absatzdruck entstandenen Porzellan-Outlet, stattdessen richtete er dort einen Aufenthalts- und Speiseraum für die über 70 Mitarbeiter ein, die sich jetzt endlich treffen und miteinander kommunizieren können.

 

Sein Elan scheint ansteckend zu sein, die Angst um die unsichere Zukunft ist gewichen und die Ausschussquote hat sich bereits halbiert. Doch vom Manufakturprinzip will der neue Chef keinesfalls abweichen: Porzellanmasse, Formen, Farben, Dekore, handgedrehte Teller – jedes Stück bleibt ein handgemachtes Unikat. Die Margen bleiben dabei trotz stattlicher Preise gering, was sich selbst erklärt, wenn man weiß, wie lange einer der zwölf Nymphenburger Porzellanmaler für einen einzigen Teller mit dem weltberühmten Cumberland-Blumenmotiv braucht: drei Wochen.

 

Auf staatliche Zuschüsse wie bei Meissen und Sèvre üblich will der Markenexperte, der bereits die Schlossbrauerei Kaltenberg zu internationalem Erfolg führte, trotzdem verzichten und lieber die Unabhängigkeit bewahren. Er setzt beim Vertrieb auf seine Netzwerke und die der Familie Wittelsbach, allen voran seiner beiden Vettern Prinz Wolfgang und Prinz Leopold, die als Gesellschafter der Porzellan Manufaktur Nymphenburg mit eingestiegen sind. Die gemeinsamen Kontakte zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollen genutzt werden, um weltweit Abnehmer zu akquirieren, die an erlesenen Servicen, Skulpturen, Dekorationen, Majolika für Parks und Gärten oder Geschenken interessiert sind. Damit will er ohne fulminates Marketingbudget ins Gespräch kommen, den Bekanntheitsgrad steigern und so zusätzliche Absatzquellen erschließen. Denn auch wenn bereits sämtliche regierende Königshäuser der Welt zu den Nymphenburg-Kunden zählen: Ein Tafelservice für 20 Personen mit Gold- oder Platinornamenten und eigenen Farbpigmenten für das Familienwappen für eine halbe Million Euro ordern auch gekrönte Häupter nicht jedes Jahr.

 

Deshalb setzt der Prinz auf eine Strategie, die Nymphenburger Porzellan verstärkt in den Alltag seiner Kunden integrieren aber auch für Sammler noch interessanter machen soll: die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler und Designern wie Konstantin Grcic und Ted Muehling oder dem Schmuckdesigner Patrick Muff und der Papierkünstlerin Ruth Gurvich. Dabei kommt ihm entgegen, dass Esskultur und damit auch Porzellan wieder voll im Trend liegen, weil Luxusgüter wie Häuser, Autos, Schmuck und Elektronik in der Vergangenheit bereits sehr viel Aufmerksamkeit erfahren haben.

 

Zentrales Element seiner neuen Strategie sind jedoch sogenannte Kulturpartnerschaften. Eine langfristige Kooperation wurde bereits mit Kempinski Hotels, der ältesten Luxushotelgruppe Europas, geschlossen. 66 Fünf-Sterne-Hotels weltweit, ausgestattet mit Sonderanfertigungen aus Nymphenburg, sind für Prinz Luitpold ein idealer Multiplikator, um neue Kunden zu begeistern. Die lässt er dann auch mal einfliegen, um ihnen den frisch hergerichteten Produktionsstandort zu zeigen. Oder er reist persönlich zu einem königlichen Geburtstag, um ein kostbares Stück zu überreichen. Denn dem Wittelsbacher stehen alle Königshäuser der Welt offen. Für sich und seine zeitlose Kunst.

 

 

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