Schutzhütten für Eisläufer in Winnipeg

 

Es gibt diese seltenen Fälle, da ist ein, sagen wir „Ding“, so gelungen, dass es etwas in uns anrührt und zum Klingen bringt. Da verschwimmen die Sinneseindrücke und wir nehmen zum Beispiel eine Ansammlung von einfachen hölzernen Hütten als organische Gruppe von Büffeln wahr, die sich untereinander vor dem eisigen Wind abschirmen. Die Tiere stehen eng beieinander, um den Herden- Effekt zu erzielen, ihre Haut besteht aus zwei Schichten Mahagonisperrholzplatten, keilförmige Massivholzteile dienen als Rückgrat der Konstruktion ...

 

Die Rede ist von sechs Hütten, die im kanadischen Winnipeg Eisläufern Schutz vor der Kälte und dem Wind bieten sollen. Die Stadt im Staat Manitoba hat 600.000 Einwohner und gilt als eine der kältesten Städte der Welt. Sechs Monate dauert hier der Winter und die Durch - schnitts temperaturen im Januar liegen bei minus 17 Grad; zeitweise fallen sie aber auch auf bis zu minus 40 Grad. Eiskalte Winde fegen dann über die Landschaft und lassen einem den Atem gefrieren. Doch das hält die Kanadier nicht davon ab, nach draußen zu gehen und ihrer Leidenschaft, dem Eislaufen, zu frönen. Dann verwandelt sich auch The Forks, der zentrale Marktplatz am Flussufer, und die zugefrorenen Seen und Flüsse der Stadt zu einer Open Air-Eisbahn. Um diese noch attraktiver zu machen, wurde 2010 ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das temporäre Schutzhütten entlang der beliebtesten Wege installieren soll, die als windgeschützte Raststätte dienen.

 

Der Wettbewerb „Warming huts“ erfreut sich jedes Jahr großer Beliebtheit und ruft sogar namhafte Architektur-Büros wie das vom Star-Architekten Frank Gehry auf den Plan, der so spektakuläre Gebäude wie das Guggenheim-Museum in Bilbao oder das tanzende Haus in Prag entworfen hat. Für Winnipeg gestaltete er einen Eis palast aus überdimensionalen, wild übereinandergetürmten Eiswürfeln. Auch das in Vancouver beheimatete kanadische Büro Patkau Architects ist eines der bekanntesten des Landes. Sie entwickelten für die Eisläufer eine ebenso einfache wie ästhetische Lösung: Die drei Meter hohen Objekte aus gebogenem Sperrholz erinnern mit ihrer monolithischen Form ein bisschen an die Dolmen von Stonehenge. Wie hölzerne Schutzmäntel stehen sie am Rand des Eislaufpfades. Ihre „Haut“ besteht aus fünf Millimeter dicken Mahagonisperrholzplatten, die hierfür wie überdimensionale Furnierblätter gebogen und mit Nieten aneinander fixiert wurden. Alle 25 mm sind sie gelocht, um Licht ins Innere zu lassen. Jede Einheit, die mit kleinen Hockern möbliert ist, bietet Platz für drei Erwachsene oder fünf Kinder, die sich hier aufwärmen können. Wie zufällig gruppieren sich die konisch geformten Hütten um eine Art Hof, dabei wurde doch jede einzelne genau positioniert: Sie sind gegeneinander im Winkel von 120 bzw. 90 Grad verdreht und bieten so je nach Wind und Sonnenstand stets den idealen Unterstand. Der Wind findet keinen Widerstand und fegt einfach zwischen den aerodynamischen Formen hindurch.

 

Auch der Schnee kann ihnen nichts anhaben, bewegt sich ihre „Haut“ doch bei Wind, schwingt in unterschiedlichen Frequenzen und schüttelt den Schnee so ab, bevor er sich auf der Oberfläche sammeln kann. Selbst bei der Verankerung im Boden setzt man auf natürliche Hilfe und bohrt Löcher ins Eis, füllt diese mit Wasser und wartet einfach, bis der kanadische Winter dem Ganzen eisige Stabilität verleiht. Diese Bauweise verleiht dem Objekt einen so lebendigen Charakter, dass man sich der Natur nicht nur verbunden fühlt, sondern sich als Teil ihrer selbst wahrnimmt.

 


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